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| 16. Februar 2003 | 23:46 | Review |
Als Kolumbus 1492 Amerika betrat, hielt man es noch für Indien und niemand hätte damals gedacht, dass das von „Wilden“ bevölkerte und kostbaren Bodenschätzen überfüllte Land einst zur Supermacht werden würde. Game World entführt Euch mit ihrem neusten Werk American Conquest über ein halbes Jahrtausend in der Zeit zurück, um 300 Jahre Amerikanische Geschichte live mitzuerleben und lockt dabei mit Massenschlachten von bis zu 16.000 Einheiten gleichzeitig! Angefangen bei der Entdeckung Amerikas im Jahre 1492 durch Kolumbus geht es über Pizzaros Kampf gegen die Ureinwohner Amerikas bis hin zum siebenjährigen Krieg zwischen England und Frankreich über bedeutenden Indianeraufständen und den Unabhängigkeitskriegen der USA gegen die Briten. Unterteilt wird dieser „Geschichtsunterricht zum Selberspielen“ in 42 Missionen, die nochmals in acht Kampagnen separiert sind. So lenkt man in zwei Kampagnen die Geschicke der spanischen Eroberer, während in einer anderen wiederum aufständische Indanerstämme zum Sieg geführt werden müssen. In späteren Missionen erlebt man den siebenjährigen Krieg einmal aus Sicht der Briten und ihrer Feinde den Franzosen.
Während die Ureinwohner Amerikas mit primitiven Waffen wie Pfeil und Bogen, Speeren und Blasrohren in den Krieg ziehen, bedienen sich die Eroberer berittener Kavallerie, Musketieren und sogar mächtigen Kanonen.
| | Noch ist es ruhig in der Indianersiedlung. |
Kampagnen im Überfluss
Aus den acht Kampagnen kann bereits zu Beginn des Spiels frei gewählt werden. Es muss also nichts erst freigespielt werden. Dennoch bietet es sich an, die Kampagnen der Reihe nach durchzuspielen, da sie zeitlich chronologisch geordnet sind und auch in Sachen Komplexität zunehmen. Die erste Kampagne, die Entdeckung der neuen Welt, dient eher als eine Art Tutorial, in dem man mit den Grundzügen von Wirtschaft und Kriegsführung bekannt gemacht wird.
Herzstück einer jeden Siedlung ist das Fort, in dem Soldaten ausgebildet, Waffenupgrades erworben und mit dessen Hilfe wirkungsvoll das umliegende Gebiet verteidigt werden kann. Die wichtigsten Einheiten im Spiel sind die Bauer. Diese ernten auf Getreidefarmen Nahrung, sorgen für Baumaterialen wie Holz, Eisen, Stein oder Kohle und graben nach Gold. Darüber hinaus errichten und reparieren sie Gebäude. Militäreinheiten werden ebenfalls aus den Reihen der fleißigen Kerlchen rekrutiert. Ohne genug Bauern läuft also gar nichts. Im Gegensatz zu anderen modernen Echtzeitstrategiespielen zählt das Wohl des einzelnen in American Conquest wenig. Einzelne Einheiten sind unwichtig, hier zählt nur die Masse. Um mit dem Gegner mithalten zu können, muss man quasi durchgehend neue Bauern produzieren um den ungeheueren Bedarf an Rohstoffen, Soldaten, neuen Unterkünfte und Nahrung zu decken. Um Einheiten höherer Güte zu bekommen, müssen die Ausbildungsstätten, wie zum Beispiel das Fort, aufgerüstet werden. Nach dem Bau einen Artilleriedepots stehen beispielsweise Kanonen auf der Bauliste. Zudem erhöhen Ausbauten die Kapazität und Trefferpunkte eines Gebäudes. Das ist besonders wichtig, da die großen Ausbildungsgebäude, gleichzeitig die stärksten Defensivgebäude darstellen.
| | Die Quaderformation schützt die Einheit in der Mitte. |
Darüber hinaus kann auch jedes andere Gebäude mit Truppen belegt werden. Je mehr Einheiten in einem Gebäude plaziert wurden, desto gewaltiger ist dessen Feuerkraft. Um ein Gebäude einnehmen zu können, müssen die Angreifer den Verteidigern zudem zahlenmäßig um ein Vielfaches überlegen sein, um den Erfolg zu erringen. Das ist aber auch gut so, da man in den meisten Missionen bereits recht früh von großen Truppenverbänden der Gegner attackiert wird.
In fast jedem Gebäude kann zudem fleißig Forschung betrieben werden. So kann man in der Mühle Upgrades für Felderkapazität und Abbaugeschwindigkeit erfinden oder die Kampfkraft seiner Mannen durch Schwerttraining verbessern.
Epische Schlachten
Richtig interessant wird es aber erst, wenn man selbst Truppen auf dem offenen Feld ins Gefecht schickt. Da ,wie bereits erwähnt, bis zu 16.000 Einheiten gleichzeitig in Kämpfe verwickelt werden können, haben die Entwickler bei der Bedienung sämtliche Komforts eingebaut, die man auch aus anderen Echtzeitstrategiespielen kennt. Artete es beim Quasi-Vorgänger Cossacks oft in Schwerstarbeit aus die Einheiten effektiv zu steuern, ist es hier, wenn auch nach einiger Übung, kinderleicht.
So kann man mittels Offizieren, Standartenträgern und Trommlern Formationen aus bis zu 196 Einheiten des selben Typs bilden, die sich dann ab sofort wie nur eine einzelne Einheit steuern lassen. Zudem können diesen Einheiten verschiedene Formationsbefehle erteilt werden, die bestimmen, in welcher Reihenfolge sich dies Soldaten anordnen.
Darüber hinaus können für alle Truppen verschiedene Verhaltensparameter bestimmt werden, wie zum Beispiel „Angriff verbieten“, „Stellung halten“, „Feuer auf eigene Truppen verbieten“. Die Moral ihrer Mannen spielt ebenfalls eine beträchtliche Rolle. Hohe Moral verleiht extra Schlagkraft, während eine niedrige Moral zu einer panischen Flucht eurer Mannen führen kann, so dass Ihr komplett die Kontrolle über sie verliert. Noch realistischer wird es beim Verhalten von Geschossen. Jedes Geschoss hat eine eigens berechnete Flugbahn. Je näher der Feind am Schützen dran ist, desto verheerender ist der Schaden und desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Ziel getroffen wird. Kugeln die ihr Ziel verfehlen, können so also trotzdem andere Feinde und sogar befreundete Einheiten treffen.
| | In diesen Mayaruinen kommt es zum Showdown zwischen Ureinwohnern und Eroberern |
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Dass sich die Schlachten in American Conquest also sehr viel strategischer spielen als in vergleichbaren Produkten liegt da natürlich auf der Hand. Oft ist man in der Unterzahl und muss durch geschicktes Taktieren die gegnerische Übermacht überwältigen.
En einfaches Beispiel hierfür ist folgende Situation. Man verfügt über ca. 100 Musketiere und 100 Hellebardenträger, während 300 wild gewordene indianische Speerkämpfer auf einen zu stürmen. In diesem Fall setzt man seine Musketiere zunächst in einer Reihe vor seine Hellebardiere und befiehlt ihnen das Feuer einzustellen. Nun wartet man, bis die Feinde ganz nah dran sind und läßt die Musketiere das Feuer eröffnen. Diese schießen dann alle gleichzeitig, was auf einen Schlag große Verluste und dadurch Panik unter den Gegnern auslöst. Nachdem unsere Musketiere geschossen haben, ziehen wir sie hinter unsere Hellebardiere, damit diese den Rest der nicht geflohenen oder gestorbenen Indianer abfangen und niederringen können. Jedoch sollte man beim Einsatz von Feuerwaffen stets vorsichtig sein, damit vor allem in größeren Gefechten keine eigenen Truppenteile zu Schaden kommen. Manchmal ist es jedoch sinnvoll auf in Kämpfe verwickelte Truppen zu schießen, auch wenn dabei tragischerweise eigene ums Leben kommen. In Fällen, wo die eigenen Einheiten sowieso verlieren würden oder es einfach kostengünstiger wäre sie nach zu produzieren.
Auch das Terrain hat Auswirkungen auf den Ausgang einer Schlacht. Einheiten die sich auf Hochebenen verschanzen haben einen Vorteil gegenüber ihren Angreifern. Zudem spielt es natürlich eine wichtige Rolle, welche Truppen gegen welche ins Gefecht geschickt werden. So können Musketiere zwar verheerende Schäden über Distanz anrichten, sind aber im Nahkampf fast allen anderen Einheiten gegenüber unterlegen. Berittene Einheiten sind besonders gut dazu geeignet dem Feind in die Flanke zu fallen oder ihn gar von hinten zu überraschen.
| | Schiffe spielen zwar nur eine untergeordnete Rolle, verfügen aber über riesige Feuerkraft. |
Die Technik
Grafisch wird das Ganze auf einem 3D-Terrain mit 2D Einheiten und Gebäuden dargestellt. Die Animationen der Soldaten sind sehr gut gelungen und auch die Gebäude sehen hübsch aus. Dennoch ist die Grafik nicht mehr ganz zeitgemäß, wenn man sie mit aktuellen Titeln wie Command & Conquer: Generals oder Age of Mythology vergleicht. Es gibt zwei Zoomstufen, in denen das Spiel gespielt werden kann. Allerdings hat man bei der ersten das Gefühl sie sei viel zu nah dran, während die zweite zu weit herauszoomt. Ein Kompromiss aus beiden wäre wirklich wünschenswert gewesen.
Der Sound kann hingegen auf ganzer Line überzeugen. Nette Musik im Hintergrund und heftiges Schlachtengeheule im Vordergrund. Vor allem die sehr gelungenen Kanonen- und Gewehrsalvensounds lassen die Boxen ordentlich wackeln.
| | gigantische Heere kämpfen um die Vorherrschaft in der neuen Welt |
Zusätzliches Futter
Wenn die umfangreichen Kampagnen durchgespielt sind, ist der Spaß noch lange nicht zu Ende. Neben 9 weiteren Szenarios steht ein Zufallskarteneditor zur Verfügung. In diesem kann man wie in Age of Mythology verschiedene Parameter wie Landschaftsart, Klimazone, Höhenlevel und Rohstoffvorkommen bestimmen.
Diese Karten können natürlich nicht nur alleine sondern auch im Mehrspielermodus mit bis zu sechs weiteren Spielern gespielt werden. Extra für den Multiplayermodus stehen sechs historische Schlachten zum Nachspielen bereit. In diesen treten zwei Spieler gegeneinander an und müssen gewisse Siegbedingungen erfüllen. Beispielsweise schlüpft Ihr bei der Schlacht um Yorktown in die Rolle der Amerikaner und versucht drei strategisch wichtige Punkte von den Briten zu säubern, was natürlich der Gegenspieler, als Brite, zu verhindern weiß.
Für Internetuser haben sich die Entwickler ebenfalls noch was Besonderes ausgedacht. Im „Schlacht um Amerika“-Modus entscheidet man sich vor der Teilnahme für eine Nation für die man kämpfen möchte. Ab dann bestreitet man Schlachten auf dem amerikanischen Kontinent und gewinnt bzw. verliert je nach Ausgang Territorien. Ähnlich wie in Blizzards Battlenet wird eine Kartei für jeden Spieler geführt in der Siege und Niederlagen, der aktuelle Punktestand, sowie einige persönliche Details geführt werden. Außerdem gibt es ein Rangsystem in dem man aufsteigen kann. Muss ein Spieler mit einem hohen Rang gegen jemand niedriger bewerteten antreten, bekommt der Höhere im Falle eines Sieges weniger Punkte, als wenn er gegen einen gleich bewerteten gewinnen würde. Andersrum bekommt man wesentlich mehr Punkte, sollte man einen Gegner höheren Ranges plätten.
| | Kanonen sind besonders tödlich gegen Infanteriemassen. |
Ausstattung
Das Spiel umfasst eine CD und wird in einer DVD-Verpackung angeboten. Dazu gibt es ein dickes, sehr ausführliches Handbuch, welches die Spielmechanismen sehr gut erklärt. Zusätzlich liegt dem Spiel eine Referenzkarte bei, auf der eine Übersicht aller Technologien und Hotkeys abgedruckt ist, sowie Tipps zum schnellen Spielstart gegeben werden.
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Fazit von Stefan Lehmler:
American Conquest hat sich für mich als echter Überraschungstitel entpuppt! Solch riesige Massen an Einheiten hat man noch nicht auf einem Bildschirm versammelt gesehen! Und das ist auch noch alles ziemlich einfach zu bedienen! Vorrausetzung dafür ist allerdings viel Geduld und Einarbeitungszeit. American Conquest ist nichts für Gelegenheitspieler oder Neulinge, sondern richtet sich an erfahrene Echtzeitstrategen. Mit diesem Spiel muss man sich erst einmal ein paar Stunden beschäftigen, bevor man überhaupt weiss was abgeht. Sogar Anleitungsbuch- und Tutorialhasser werden nicht drum herum kommen, den einen oder anderen Blick in selbiges werfen zu müssen. Doch nach und nach wird man immer mehr mit Erfolgserlebnissen belohnt und wenn man erst einmal weiß wo es lang geht, macht das Spiel sehr viel Spaß und bietet Schlachten, die das Wort „episch“ wirklich verdient haben! Auch der Multiplayermodus hat es in sich: Zufallskarten, historische Schlachten und der „Kampf um Amerika“-Modus motivieren für Monate!
Jeder der bereit ist, viel Zeit in dieses Spiel zu investieren, sollte es sich einmal näher anschauen.
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Wertung: |
| Grafik: |
         (6 / 10) |
| Sound: |
         (8 / 10) |
| Bedienung: |
         (9 / 10) |
| Spieltiefe: |
         (10 / 10) |
Multiplayer:
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         (9 / 10) |
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| Nicht im Game-And-Fun.de - Sortiment |
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| Stefan Lehmler |
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