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 Blitzkrieg
14. Mai 2003 | 18:00 | Review
Kaum wird es bei uns richtig warm, kommt aus dem kalten Russland eine Kriegssimulation, die es in sich hat. Laut den Entwicklern soll Blitzkrieg die Stärken von Sudden Strike ausgebaut und die Schwächen ausgebügelt haben. Ob Blitzkrieg ein Volltreffer oder ein Rohrkrepierer ist, erfahrt ihr in diesem Review.

Die Aktualität

Der Publisher CDV bringt Blitzkrieg zu einer Zeit heraus, in der das Thema Krieg sehr aktuell ist. Andere Genrekollegen wurden wegen ihres kriegsverherrlichenden Inhalts indiziert. Das könnte auch Blitzkrieg blühen, wenn man die vorausgehende Werbekampagne und das martialisch aussehende DVD-Cover betrachtet. Sieht man desweiteren, dass Scharfschützen einen Treffer mit "...und noch ein Leichensack" quittieren, liegt eine Indizierung durchaus nahe. Aufgrunddessen ist eine USK 16-Einstufung nicht für jeden verständlich.

 Vor jeder Kampagne zeigt Blitzkrieg erst einmal den historischen Hintergrund...   Vor jeder Kampagne zeigt Blitzkrieg erst einmal den historischen Hintergrund...


Der Singleplayer

Auch in Blitzkrieg ist das altbewährte Sudden Strike-Spielprinzip erhalten geblieben. Mit einer vorgegebenen Anzahl von Einheiten Missionsziele erfüllen. Basisbau gibt es nicht. Man hat lediglich ein Lagerhaus, das man zur Versorgung der Einheiten benötigt. Ohne Taktisches Vorgehen hat man in Blitzkrieg und seinen Vorgängern nicht die geringste Chance.
Bevor man sich in die Kampagnen wagt, sollte man bei Blitzkrieg das Tutorial angehen. Sudden Strike Veteranen können sich dies natürlich sparen, da Steuerung und Look&Feel von Blitzkrieg Sudden Strike ähneln.
Blitzkrieg enthält drei Kampagnen. So kann man auf Seite der Alliierten, der Sowjets und auf Seite der Deutschen das Schlachtfeld unsicher machen. Im Laufe der Kampagnen erhält man bessere Panzer und Artillerie. Doch diese muss man sich erst in Form von Upgrades erspielen. Bei Blitzkrieg hat man meist vier Kriegssschauplätze zur Auswahl. Ein historischer und drei Zusatzmissionen. Erstere treiben die Handlung fort (z.B. Schlacht um Charkow oder die Ardennenschlacht) und letztere bringen pro absolvierter Mission ein Upgrade eines Panzers oder einer Artillerie. Jedoch kann man nur seine Kernarmee upgraden. Diese besteht zu Anfang aus 3 Panzer- und 3 Artillerie-Slots, die im Laufe der Kampagne durch Beförderungen auf 12 anwachsen. Diese Beförderungen werden in der Personalakte festgehalten. Dort wird alles von der Taktik bis hin zu der Anzahl der gespeicherten Spiele festgehalten und fließt in die Beförderung ein. Hier erhält man auch bei besonderen Leistungen Medallien. Infanterie spielt im Einzelspielermodus von Blitzkrieg leider eine untergeordnete Rolle.
 ...bevor es dann richtig los geht. Rechts kann man die Missionen auswählen und bekommt links Ziele samt Upgrade geboten   ...bevor es dann richtig los geht. Rechts kann man die Missionen auswählen und bekommt links Ziele samt Upgrade geboten

Ohne das Absolvieren der Zusatzmissionen hat man in den historischen Schlachten oft nicht den Hauch einer Chance. So weit, so gut. Ihren Namen haben sich die Zusatzmissionen redlich verdient. Sie wirken aufgesetzt und wirken so, als ob sie die Spielzeit strecken sollten. Zusatzmissionen unterscheiden sich nur durch die, sich oft wiederholenden, Missionsziele und durch das, sich stetig ähnelnde, Kartenlayout. Meistens sind die Karten nur gespiegelt. Nach ein, zwei Zusatzmissionen hat man das Gefühl, Karten samt Städten und Gegnerpositionen zu kennen - und dieses Gefühl bestätigt sich sehr schnell. Dadurch kommt schnell Langeweile auf. Die historischen Missionen entlohnen dann aber wieder für die mühsam erspielten Upgrades. Diese Missionen bieten sehr herausfordernde Karten. In den Zusatzmissionen beschränken sich die Missionsziele oft auf "Eliminieren Sie alle Gegner" während man in den historischen Missionen z.B. einen Bahnhof erobern und verteidigen soll. Mit den verkorksten Zusatzmissionen hat Nival Interactive viel Potential verschenkt, denn man merkt während der Kampagnen durchaus einen gewissen Sammeltrieb, der nur durch die Zusatzmissionen gehemmt wird. Hier spielt Blitzkrieg seine Stärken aus. Vom Soldat über jegliche Panzerarten bis hin zu Eisenbahngeschützen á la "Dicke Berta" ist alles dabei. Panzerfans fühlen sich hier sofort heimisch. Egal ob Königstiger, IS3 oder Sherman-Panzer alles ist dabei, was je über das Schlachtfeld gerollt ist. Dank eines Ingame-Handbuchs kann man sich über jegliches Kriegsgerät genau informieren.
Der Schwierigkeitsgrad ist sehr unflexibel. Auf "Leicht" ist das Spiel selbst für Anfänger zu leicht. Auf "Normal" stellt es für diese schon eine Fleißaufgabe dar, drängt es doch zu Aufklärereinsatz und behutsamem Vorrücken der Truppen. Kenner von Sudden Strike dürfen ruhig zum härtesten Schwierigkeitsgrad greifen, obwohl er für diese dennoch zu wenig Herausforderung bietet.

 Das   Das "Erkennungs-Handbuch" ist immer einen Blick Wert


...ich kann mich nicht bequemen, den Spaten in die Hand zu nehmen...

Eine weitere Schwäche von Blitzkrieg ist die KI und die Wegfindung. Besonders die Versorgungsfahrzeuge scheinen die Intelligenz nicht gerade gepachtet zu haben - oft verhaken sie sich ineinander um dann einen umständlichen, manchmal feindbewährten Weg zu befahren. Spätestens dann, wenn die Frontarmee aufmunitioniert und repariert werden muss und die Versorgungsfahrzeuge von Gegnern zerstört werden, ärgert man sich gewaltig. Panzer reagieren oft schwerfällig oder gar nicht auf Befehle.
Gleichzeitig zu der Ernüchterung kommt auch Staunen auf. Noch nie rumpelten Panzer so schön animiert über das, durch Rauchsäulen vernebelte, Schlachtfeld. Die "Infanterie-Fitzelgrafik" von Sudden Strike wurde etwas entschärft. Zumindest auf 1024x768 hat man nicht das Gefühl, Energiebalken statt Menschen zu kommandieren. Dennoch kann man immer noch nicht zoomen.

 Ein sowjetischer Vorstoß auf eine Artillerie-Stellung scheitert   Ein sowjetischer Vorstoß auf eine Artillerie-Stellung scheitert


Der Multiplayer

Auch im Multiplayer zeigt sich Blitzkrieg unfertig. Es bietet zwei Multiplayermodi: Assault und Capture the Flag. Ersteres wird aufgrund des Ungleichgewichts der Verstärkungen selten gespielt. Aber auch bei letzterem muss man um seine Vertärkungen fürchten. Löst man Infanteriegruppen auf, um jeden Soldaten einzeln zu steuern, zählt jeder Soldat so viel, wie vorher der ganze Verband. Das Verstärkungsscript denkt dann, der Spieler hätte genug Truppen und schickt keine neue Verstärkung.
Außerdem kommen höchstens nur 1vs1 und 2vs2-Matches Zustande, da bei anderen Paarungen häufig Synchronisationsfehler auftauchen. Sollte ein Match dann doch stattfinden, zeigt sich Blitzkrieg von seiner besten Seite: Taktik, Taktik, Taktik. Gegen ein menschlichen Mitspieler führen Fehlentscheidungen häufig zu schweren Dezimierungen der Truppen. Obwohl man minütlich Nachschub in Form von Infanterie, Artillerie und Panzern bekommt, sollte man mit seinen Truppen trotzdem behutsam vorgehen. Leider entscheiden sich Partien oft dadurch, wer schneller schwereres Gerät bekommt, als der Gegner.

 Auch in der Wüste bekriegt man sich   Auch in der Wüste bekriegt man sich


Was man noch für sein Geld bekommt...

Blitzkrieg kommt in einer DVD-Box, mit einem 80-seitigen Handbuch und zwei CDs. Auf einigen Rechnern mit ATI Karten zeigten sich bei der Verkaufsversion samt Patch 1.1, welcher in dem kürzlich veröffentlichten Mappack enthalten ist, Inkompatibilitäten. So soll der Mauscursor häufige Aussetzer haben. Laut Nival Interactive ist ein Patch in Arbeit. Wer nicht auf den Patch warten will, sollte mal im offiziellen Blitzkrieg-Forum nachsehen.
Blitzkrieg lief auf dem Testrechner (1 GHz, 320 MB RAM, 32 MB Grafikkarte) nahezu ruckelfrei. Lediglich bei riesigen Schlachten musste der Rechner erst mal Daten nachschaufeln. Blitzkrieg annektiert 2,3 GByte auf eurer Festplatte.

 Sowjetische Bomber belegen ein Dorf mit einem Bombenteppich   Sowjetische Bomber belegen ein Dorf mit einem Bombenteppich


Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Fans hoffen bereits jetzt, dass Modder möglichst schnell neue Mods veröffentlichen, um z.B. die Eigenschaftswerte und Sichtweiten der Panzer der Realität anzupassen. Schon damals hat der grandiose SSNM Mod die Sudden Strike Community belebt. In einem Spiel wie Blitzkrieg, indem Realitätsnähe sehr wichtig ist, sind viele Änderungen auch sehr nötig.
Warum können eigene Panzer ungeschoren über eigene Minen fahren? - Freund-Feind-Erkennung im WW2?
Warum schießen Jagdbomber wie Scharfschützen und zerlegen mit ein paar MG Salven Panzer? - Waren die damaligen Piloten ausgebildete Scharfschützen?
Warum können Bomber Jäger mit einem Schuss vom Himmel holen? - Sind die Scharfschützen wieder am Werk?
Warum landen Fallschirmspringer, wenn sie Nahe am Kartenrand abspringen sollen, außerhalb der Karte und sterben dann? - Deserteure?
Warum funktioniert der viel angepriesene Rückwärtsgang der Panzer im Spiel nicht oder nur unzureichend? - Hatten die Panzer damals keinen Rückspiegel?
Warum hört sich die deutsche Panzerbesatzung so an, als ob sie "vom anderen Ufer" wäre? - Homosexuelle in der Reichsarmee?
Warum verliert Artillerie ihren Tastaturshortcut, wenn deren Besatzung getötet wird? Fragen über Fragen und nur Nival Interactive und bestenfalls die Blitzkrieg Community weiß die Antwort.

Fazit von Christian Baltes:

...im Westen nichts Neues...
Blitzkrieg hätte ein tolles Spiel werden können, wenn: 1. Nival die Zufallsmissionen weggelassen hätte. 2. Die Umsetzung der Simulation einigermaßen der Realität entspräche. 3. Die KI ein ganzes Stück schlauer wäre und 4. Der Netzcode besser wäre.
Wenn man dann jedoch mitten im Afrikafeldzug des Wüstenfuchses steckt, oder sich in Finnland einen Stellungskrieg leistet, ist vieles davon nebensächlich. Und aufgrund des großartigen SSNM Mods bin ich davon überzeugt, dass die Community zumindest Punkt 1 und 2 ausmerzen kann.
Wäre der Singleplayer, der Schwerpunkt von Blitzkrieg, besser ausgefallen, wären sicher 5-10% mehr drin gewesen.
Blitzkrieg  (Review) Nival Interactive
Empfohlenes System: PIII 700 MHz | 128 MB RAM | 16 MB Grafikkarte

Wertung:
Grafik: (7 / 10)
Sound: (7 / 10)
Bedienung: (4 / 10)
Spieltiefe: (6 / 10)
Multiplayer:

(5 / 10)

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Gesamt:

74%
Christian Baltes
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» Genre: Echtzeitstrategie
» Entwickler: Nival
» Publisher: CDV
» Release: Bereits erschienen.
» Links: · http://www.cdv-blitzkrieg.de
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