Der zweite Weltkrieg ist mit das beliebteste Szenario in Computerspielen. Auch Afrika Korps vs. Desert Rats macht da keine Ausnahme. Pointsoft schickt mit dem Spiel schon einen Konkurrenten für das kommende Codename: Panzers ins Rennen. Wir verraten euch, ob sich Codename: Panzers fürchten muss.
Was haben Erich von Hartmann, Gregory Sinclair, Marius Bertrand Lafarge, William Gosling und Lys gemeinsam? Alle sind in Afrika anzutreffen und verabscheuen die Nazis. Die Geschichte von Afrika Korps vs. Desert Rats beginnt in einem Gefangenenlager der Deutschen, in dem Sinclair und Lafarge festsitzen. William "Goose" Gosling, amerikanischer Artillerie-Sergeant, hilft ihnen bei der spektakulären Flucht von dort. Unterwegs stoßen sie auf mehrere Panzerwracks des Afrika Korps sowie auf einen deutschen Offizier: Erich von Hartmann. Dieser und Sinclair kennen sich von den olympischen Spielen 1936 in Deutschland, wo sich auch eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelte. Um in der Wüste zu überleben, müssen alle zusammenarbeiten. Letztendlich gelingt den Alliierten mit Hilfe der schönen Lys die Flucht, während von Hartmann zurückbleibt und von einer deutschen Patrouille aufgelesen wird. Bei hinterlässt Lys einen bleibenden Eindruck bei von Hartmann, der sich in die Fremde verliebt hat. Gleichzeitig erfährt man auch, dass er nicht immer mit der Führung übereinstimmt und ihnen gegenüber gar gänzlich abgeneigt ist. Hier kommt nun der Spieler zum Zug, der erst in die Rolle der Deutschen und im Laufe der Kampagne in die Rolle der Alliierten schlüpft.
| | Mit allen Einheiten stoßen wir von der Seite nach vorne. |
Mit Haegemonia hat Entwickler Digital Reality bereits gezeigt, dass sie grafisch hochwertige Spiele entwickeln können. Auch bei Afrika Korps vs. Desert Rats ist das nicht anders. Die Grafik ist rundum gelungen und glänzt durch hochauflösende Texturen, detaillierte Einheiten und spektakuläre Partikeleffekte. Die Güteklasse eines C&C Generals wird dabei locker erreicht. Auch die Umgebung wird geschickt dargestellt und ins Spiel eingebunden. Explosionen wirbeln Sand in die Luft, Bäume werden von schweren Fahrzeugen wie Streichhölzer umgeknickt und Gebäude lassen sich nach und nach in ihre Einzelteile zerlegen. Gelegentlich gibt es allerdings kleine Fehler, wenn zum Beispiel ein Panzer halb in einem Haus steht. Dies stört allerdings die Spielbarkeit nicht. Die Story des Spiels wird währenddessen mit Ingame-Zwischensequenzen, vorgerenderten Szenen und Tagebucheinträgen vorangetrieben.
| | Die Einheiten sind sehr detailliert. |
Ebenfalls absolut überzeugend ist die Hintergrundmusik des Spiels. Diese passt sich exakt der derzeitigen Spielsituation und ist mal ruhig, mal spannend. Auf dem gleichen Niveau spielen auch die Soundeffekte der unterschiedlichen Einheiten mit. Dagegen ist die Synchronisation nicht wirklich gelungen. Die Sprecher passen teilweise gar nicht zu ihren Rollen und die Dialoge wirken stellenweise relativ lustlos. Zudem schadet es der Atmosphäre, wenn alle Beteiligten, seien es Amerikaner, Araber oder Franzosen, fließend Deutsch sprechen.
Bei der Bedienung vertraut Afrika Korps vs. Desert Rats auf bewährte Kost. Einheiten werden bequem per Maus angewählt und bewegt und lassen sich zudem in Gruppen zusammenfassen. Zudem kann, je nach Bedarf, sehr nah oder sehr weit weg gezoomt werden. Wer gerne etwas mit der Kamera rumspielt, kann auch den Blickwinkel beliebig drehen. Etwas überladen wirkt hingegen das Interface mit seinen vielen Befehlen. Von Bewegen über Angriff bis hin zu Stoppen ist alles vorhanden. Die wichtigsten Befehle sollte man deshalb über die Tastatur aufrufen und sich die Tasten dementsprechend merken. Etwas mehr Arbeit hätte man allerdings der KI zukommen lassen sollen. Verschiedene Einheiten behindern sich teilweise gegenseitig und auch die Wegfindung ist nicht immer perfekt. Manchmal passiert es zum Beispiel, dass ein Panzer mitten durch eine feindliche Stellung fährt, um einen anderen Punkt zu erreichen, bei dem der eigentliche Weg von eigenen Einheiten blockiert wird. Dies kann sehr nervig sein, da man einzelne Einheiten wieder anklicken und ihre Fahrtrichtung ändern muss. Außerdem scheinen einige Soldaten keine guten Kenntnisse der eigenen Fahrzeuge zu besitzen, etwa wenn ein Panzer mit dem Heck voraus Richtung Feind fährt. Blöd nur, dass das Heck normalerweise die verwundbarste Stelle ist. Auch hier hilft nur anhalten, manuell wenden und dann weiterfahren.
| | Vor dem Einsatz kann man seinen Trupp beliebig zusammenstellen. |
Wer von Afrika Korps vs. Desert Rats ein schnelles Spiel in der Art von C&C Generals oder WarCraft 3 erwartet, der wird sich wundern. Hier steht nämlich die Taktik im Vordergrund, denn es gibt weder Ressourcen noch Basisbau. Stattdessen startet man bei jeder Mission mit einer bestimmten Anzahl an Einheiten. Seinen Trupp kann man aus insgesamt über 70 Einheiten, die alle über unterschiedliche Werte verfügen, vor jeder Mission beliebig zusammenstellen, genügend Prestigepunkte vorausgesetzt. Letztere verdient man durch das erfolgreiche Erreichen von Primär- und Sekundärzielen, die vor dem Start eines Einsatzes angegeben werden. | Zudem gibt es einige wenige Spezialeinheiten, die durch den Erhalt von Medaillen freigeschaltet werden. Sobald diese aber zerstört werden, sind sie nicht mehr verfügbar. Also gut darauf aufpassen. Wer sich vor einer Mission nicht noch den Kopf darüber zerbrechen möchte, der verwendet einfach die vom Programm empfohlene Einheitenkonfiguration.
Sobald die Truppe ausgewählt wurde, kann es auch schon losgehen. Die Einsätze bieten viele unterschiedliche Ziele, darunter Aufklärung, Zerstörung, Eskorte und gewaltige Schlachten. Durch die beschränkte Anzahl an Einheiten werden die Missionen noch mal einen kleinen Tick schwerer, denn mit Verstärkung ist nur bei gescripteten Ereignissen zu rechen. Außerdem sollte man besonders auf seine Helden aufpassen, denn wenn einer davon stirbt, ist die Mission beendet. Positiv anzumerken ist das Erfahrungspunktesystem, bei dem Fahrzeuge um zwei Ränge aufsteigen können. Dadurch werden etwa Attribute wie die Feuerkraft verbessert. Außerdem lassen sich bestimmte Soldaten ebenfalls in Fahrzeuge setzen. Ein Scharfschütze in einem Panzer erhöht zum Beispiel dessen Sichtweite.
| | Nach starkem Beschuss sieht man spektakuläre Explosionen. |
Obwohl es acht unterschiedliche Soldatenklassen gibt, spielen die Fahrzeuge doch eine größere Rolle, denn sie machen normalerweise kurzen Prozess mit kleineren Gruppen. Nützlich sind im Nahkampf nur die MG-Schützen sowie die normalen Soldaten. Für den Fernkampf eignen sich Scharfschützen, die auf große Entfernung alles wegpusten, was nach Gegner aussieht. Etwas langsamer sind da die Flammenwerfer. Zwar sind sie sehr effektiv gegen feindliche Soldaten, allerdings müssen sie dafür auch erst mal nah rankommen. Mit ihnen lassen sich zudem Panzer durch die Hitze sehr schädigen. Die Besatzung eines Fahrzeuges wird dadurch allerdings nicht eingeschüchtert. Im kommenden Codename: Panzers wird das anders sein. Dort lässt sich die Temperatur so lange erhitzen, bis die Besatzung das Gefährt verlässt. Aber auch so kann man mit genügend Soldaten leerstehende Fahrzeuge einnehmen. Mit etwas Glück tötet man die Besatzung eines feindliche Fahrzeuges und kann es dann für die eigenen Zwecke einsetzen.
| | Helden erkennt man an dem Adlersymbol über ihnen. |
Leider fehlen auch Formationen in Afrika Korps vs. Desert Rats. Dadurch erhält man eine gemischte Truppe, aber auch eventuell Nachteile. Wenn zum Beispiel die wichtigen und weniger gepanzerten Einheiten in der vorderen Reihe fahren und dann gesprengt werden, ist das ziemlich ärgerlich. Außerdem kann es passieren, dass anstatt Soldaten die Sanitäter an der Front stehen. Mit ihren Luger Pistolen können sie aber verständlicherweise wenig ausrichten. Zudem fehlt dann für den Rest der Mission die ärztliche Versorgung für andere Truppen. Hier wäre eine Formation wünschenswert gewesen, bei der sich die stärkeren Einheiten rund um die schwächeren postieren und ihnen Deckung geben. So muss man allerdings stärker aufpassen und ärgert sich über jede unnötig verlorene Einheit. Im Gegensatz dazu ist die genaue Zielfunktion der eigenen Truppen sehr nützlich. Bei Panzern kann man zum Beispiel auf Ketten oder den Geschützturm schießen. Trifft man, dann ist das Fahrzeug entweder bewegungs- oder kampfunfähig.
| | Die Story wird unter anderem mit schicken Zwischensequenzen erzählt. |
In einem guten Strategiespiel darf natürlich ein Multiplayer-Modus nicht fehlen. Afrika Korps vs. Desert Rats bietet neben dem bekannten Deathmatch auch zwei weitere Spielmodi: "Eroberung" und "Tobruk-El-Alamein". Bei "Eroberung" sind verschiedene Fahnenpunkte auf der Karte verteilt. Diese müssen eingenommen werden. Dadurch erhält man Verstärkungstruppen und kann so härter gegen den Feind vorgehen. Unterschiedliche Siegoptionen bieten eine kleine Abwechslung in diesem Spielmodus. Ganz anders spielt sich da der Modus "Tobruk-El-Alamein". Jeder Spieler startet hier in einer kleinen Stadt am Rande der Karte. Der Angreifer muss innerhalb eines Zeitlimits den Verteidiger vernichten. Gelingt dies nicht, dann erhält der Verteidiger Verstärkung und kann nun selbst zum Angriff übergehen. Der ehemalige Angreifer ist nun gezwungen, sein Hauptquartier zu beschützen. Jede Seite kann höchsten dreimal neue Einheiten erhalten. Danach ist derjenige siegreich, der alle Truppen des Gegners vernichtet.
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