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1989 fing seine Erfolgsstory an. Damals noch mit klobigem Design und nur im tristen Grau. 1996 kam dann die kleinere Variante raus. Etwa halb so groß bei gleicher Bildschirmgröße, aber immer noch nicht in der Lage, Farbspiele darzustellen. 1999 sollten dann endlich auch Farbspiele in NES-Qualität möglich sein. Jetzt, im Jahr 2001, kommt der nächste Schritt dieser Evolution: Spiele in SNES-Qualität oder sogar besser. Jeder weiß, dass der Game Boy, die beliebteste Handheld-Konsole, gemeint war. Weltweit wurden schon mehr als 100 Millionen Game Boys, Game Boy pockets und Game Boy Colors abgesetzt. Diese Geschichte möchte Nintendo jetzt mit dem Game Boy Advance fortsetzen, den ersten 32 Bit-Handheld der Welt. Ob sich der hohe Preis lohnt, wird dieser Report erklären.
Technisches
Der Game Boy Advance (nachfolgend: GBA) ist von seinen Abmessungen etwa mit dem GBC zu vergleichen. Aber der GBA wird nicht längs gefasst, sondern quer. Eine Batteriefachausstülpung wie beim GBC gibt es hier aber nicht, die wäre unnötig, da die neue Konsole auch so gut in der Hand liegt. Für große Hände ist die Anordnung der Knöpfe vielleicht nicht so ganz ideal, aber nach ein paar Stunden Spielzeit hat man sich dran gewöhnt. Das Farb-LCD-Display ist etwa 50% größer als das vom GBC und hat ein, zwei Mankos. Zum einen ist es relativ dunkel (die Helligkeit kann nicht verändert werden), zum anderen können sich die Spiegelungen manchmal als störend erweisen. Die Dunkelheit zeigt ein weiteres Problem: Ein eingebautes Licht im Bildschirm gibt es wieder nicht. Nintendo hat sich dagegen entschieden, weil sonst nicht die Spielzeit von 15 Stunden pro Batterie-Satz eingehalten werden könne. Man braucht wieder die gleichen Batterien wie beim GBC. Die Farbvielfalt ist ebenfalls dem kleinen Bruder ähnlich: Auch der GBA kann 32000 Farben darstellen. Allerdings kann er wesentlich mehr Farben gleichzeitig darstellen (GBA: 511 (bzw. 32000 im Bitmap-Modus); GBC: 56). Die Module sind auch modernisiert worden. Sie sind nur noch halb so groß wie die normalen GB-Module, dennoch können sich eine wesentlich höhere Speicherkapazität haben, bis zu 256 MBit. Zum Vergleich: Das SNES-Rollenspiel Secret of Evermore hatte nur ein 24 MBit-Modul. Der GBA hat auch neue Knöpfe: Neben den schon vom Uralt-Game Boy bekannten Knöpfen gibt es nun auch die Schultertasten L und R. Bei den Schnittstellen hingegen wurde gespart. Eine Infrarot-Schnittstelle wie beim GBC gibt es nicht. Das ist noch zu verkraften für die meisten, aber das Fehlen eines Netzteil-Anschlusses wurde nicht mit Freude aufgenommen. Also, wer vor hatte, sein GBC-Netzteil mit dem GBA zu benutzen, wird enttäuscht sein.
Abwärtskompatibilität und Multiplayer
Erfreulich ist natürlich auch die Abwärtskompatibilität. Alle GB(C)-Module laufen auch auf dem neuen Game Boy. Nur bei vereinzelten Spielen kann es zu Problemen kommen. Der Bildschirm zeigt allerdings nur den normalen GBC-Ausschnitt. Durch drücken der R-Taste kann der Bildschirm aber gestaucht werden, sodass das Spiel den gesamten Bildschirm ausfüllt. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig und sieht auch nicht wirklich gut aus. Außerdem fällt der im Vergleich zum GBC dunklere Bildschirm auf. Wer sich gestört fühlt, sollte seinen GBC also nicht verkaufen.
Im Mittelpunkt vieler Spiele steht auch der Mehrspielermodus. Fast alle Launchtitel sind mit 4 Spielern spielbar. Dazu braucht man allerdings ein spezielles GBA-Linkkabel. Es unterscheidet sich äußerlich nicht vom GBC-Linkkabel, aber sie sind inkompatibel, d.h. dass man zwei GBCs nicht mit einem GBA-Kabel verbinden kann und umgekehrt. Wenn man aber einen GBA mit einem GBC koppeln will, kann man das Linkkabel des GBC weiterhin nutzen. Ist etwas verwirrend und leider auch letztlich teurer, da kein solches Kabel dem GBA beiliegt. Ganz neu ist der sogenannte Multiboot-Modus. Dadurch kann man mit nur einem Modul den 4 Spieler-Modus nutzen. Die Ladezeiten sind dadurch natürlich höher als beim "normalen" Modus mit bis zu 4 Modulen und auch alle Features sind meistens nicht anwählbar. So kann man etwa bei F-Zero nur eine Strecke ohne Musik auswählen. Dieses Feature ist durchaus interessant, da sich nicht alle ein Spiel kaufen müssen, um es im Multiplayer zocken zu können.
Launchtitel
Die ganzen technischen Daten sind ja schön und gut, aber ohne gute Spiele bleibt eine Konsole ein Ladenhüter. Momentan sind viele gute GBA-Spiele in der Mache und die Launchtitel sind da nur der Anfang. Es wird später grafisch ausgefeiltere und komplexere Spiele geben. An dieser Stelle sollen die Launchtitel kurz vorgestellt werden, bis auf eine Ausnahme: Den Super Mario Advance-Test findet ihr hier. Also, hier die Launchtitel (oder Titel, die kurz danach erscheinen. Vollständigkeit ist nicht gewährleistet):
F-Zero MAXIMUM VELOCITY: Wer kennt es nicht? F-Zero war auf dem SNES ein Vorreiter für futuristische Rennspiele. Aus dessen Beispiel entstand u.a. der beliebte PSX-Raser WipEout. Die GBA-Variante lehnt sich dabei stark am SNES-Vorbild an. Die Strecken sind größtenteils aus der Vorlage entnommen, auch grafisch ähnelt sich beide Spiele sehr. Allerdings wurde die Steuerung in der GBA-Version nochmal verfeinert. Man muss wirklich gut üben, um die Flitzer auf der Strecke zu halten. Besonders die späteren Strecken bieten fiese Fallen, wie etwa Minen. Auch der Schwierigkeitsgrad ist recht hoch angesetzt. Bis man also alles freigespielt hat, wird einige Zeit vergehen. Ein Mehrspieler-Modus (inklusive Multiboot) ist natürlich auch vorhanden, allerdings ist die Multiboot eher mager, da man nur eine Strecke und noch dazu ohne Musik fahren kann. Für Gelegenheitszocker vielleicht eine Spur zu heftig, für Profis aber ein durchweg empfehlenswertes Modul.
Castlevania: Auch Konamis beliebte Vampirjäger-Saga gehört auf dem GBA zu den Launchtiteln. Die Story ist fast typisch: Dracula ist wieder erwacht. Der Vampirjäger Morris Baldwin macht sich, zusammen mit seinen beiden Schülern, auf den Weg zum Schloss, um dem König der Blutsauger den Gar auszumachen. Leider kommen sie zur Zeremonie des Erwachens zu spät und während Morris in den Kerker geschleppt wird, werden die Schüler an andere Stellen des Schlosses verbannt. Der Spieler schlüpft nun in die Rolle einer dieser Schüler, um den Lehrer zu befreien und nebenbei Dracula wieder zu besiegen. Mit Peitsche und anderen Waffen ausgerüstet springt man durch zahlreiche Levels mit Gruselflair. Neu ist die Fähigkeitserlernung über magische Karten, die erst gefunden werden müssen. Grafisch ist der Titel bereits sehr gut, leidet aber etwas am dunklen Display. Der Sound ist, Castlevania-typisch, wieder mal tadellos und trägt zur Atmosphäre bei.
Kurukuru Kururin: Ein Puzzlespiel mit neuer Idee. Der Spieler muss einen sich um die eigene Achse drehenden Stab durch Labyrinthe steuern. Allerdings muss man darauf achten, nicht mit den zahlreichen Hindernissen zusammenstoßen, da man sonst eins von drei Herzen verliert. Wenn alle weg sind, geht der Stab kaputt. Federn ändern die Rotationsrichtung, Herzfelder füllen die verlorene Energie wieder auf. Das Spiel ist im Singleplayer recht schnell durchgespielt, aber der Multiplayer-Modus kann noch lange motivieren. Der Multiboot ist vorbildlich: Alles lässt sich auch mit nur einem Modul anwählen und spielen. Insgesamt also für Einzelspieler eher langweilig, aber für Partyspiele unverzichtbar.
Tony Hawk's Pro Skater 2: Auch das auf Konsolen und PCs allseits beliebte Skateboard-Spiel von Activision gehört zu den Launchtiteln des GBA. Und es ist sicher einer der besten Titel, den man zum Start der Konsole bekommen kann. Denn das Modul enthält komplett alle Skateparks der PSX- und PC-Version. 3D ist natürlich nicht drin, aber es wurde eine schicke (wenn auch anfangs gewöhnungsbedürftige) schräg-von-oben-Ansicht gewählt. Ebenso lassen sich alle Moves der anderen Versionen ausführen, was bei den recht Knöpfen fast ein kleines Wunder ist. Die einzigen Unterschiede sind die nicht vorhandenen Editoren für Parks und Skater, sowie ein fehlender Mehrspielermodus. Aber auch für Einzelspieler wird genug geboten. THPS 2 ist auch für Nintendos Kleinen ein absoluter Hit. Auch Skateboardmuffel sollten mal probespielen.
Ready 2 Rumble Boxing Round 2: Auf der Dreamcast und PS2 ein ziemlich beliebter Fun-Boxer möchte auch auf dem GBA einige Fans für sich gewinnen. Aber das Spiel eignet sich "nur" für ein schnelles Spielchen zwischendurch. Denn selbst der Meisterschaftsmodus ist zwar anfangs witzig, aber nicht langfristig motivierend. Dazu trägt auch ein fehlender Zweispieler-Modus bei.
Rayman Advance: Auch Ubi Softs hals- und gelenkloser Held ist bereits für den GBA erschienen. Es handelt sich dabei um eine Umsetzung der PSX-Version. Viele Levels gilt es zu erforschen. Die Grafik kann sich sehen lassen. Alle Figuren sind detailliert und auch sehr groß auf dem Bildschirm zu sehen. Für Jump & Run-Fans eine klare Empfehlung.
Pinobee: Noch ein Hüpfspiel. Der Spieler übernimmt die Rolle der Biene und muss die 27 Levels durchlaufen. Manche Aktionen haben Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad. Beispielsweise kann man in einigen Leveln bestimmte Gegner finden, die bei Vernichtung das Gegneraufkommen in den Levels senken. Außerdem kann man per Linkkabel Gegenstände tauschen. Alles in allem ein solides J&R, was viel Spaß bringen wird.
Konami Krazy Racers: Ein Mario Kart-Klon. Anstatt mit den Nintendo-Charakteren fährt man allerdings mit (in Deutschland meist unbekannten) Helden aus Konami-Spielen. Wie in der Vorlage auch kann man Extras einsetzen, um sich an die Spitze zu setzen. Auf den Strecken gibt es viele Gegenstände und auch Goldmünzen einzusammeln. Mit diesen kann man im Shop verschiedene Sachen für das Gefährt kaufen. Ein Mehrspielermodus für bis zu 4 Spieler darf da natürlich auch nicht fehlen. Für alle, die nicht auf Mario Kart Advance warten wollen, ist der Konami-Raser auf jeden Fall empfehelenswert.
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Fazit von Martin Schneider:
Trotz des relativ hohen Preises ist der Game Boy Advance empfehlenswert. Die richtigen Knallerspieler kommen zwar erst später (etwa Mario Kart Advance), aber spätestens dann wird der GBA zum Muss. Für Multiplayer-Fans ist er sowieso jetzt schon Pflicht, weil alle guten Titel einen solche Funktion unterstützen. |
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