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 Fußball Manager 2003
25. Februar 2003 | 23:02 | Review
Nach dem Anstoss 4 – Debakel, mit dem sich Ascaron den Wind selbst aus den Segeln genommen hatte, war der Weg frei für EA’s Fußball Manager 2003 (oder wie er knackig abgekürzt wird: FM2003). Auf Seiten der Kölner sorgte die Neuverpflichtung Gerald Köhler, spektakulär von Ascaron aus Gütersloh zu EA transferiert, für reichlich Wirbel. War der FM 2002 nur ein mehr oder weniger spannender Durchschnittsmanager, entstaubte Köhler den Programmcode ordentlich und packte einen Haufen neuer Ideen herein. Was daraus geworden ist? Lest, warum der FM 2003 als neuer Genreprimus gelten darf.

Fußballfans könnten vom Kauf des FM2003 schon durch das Cover abgeschreckt werden. Wer spontan durch die Regale schlendert und plötzlich „Loddar“ Matthäus auf einem Cover entdeckt, wird wahrscheinlich eher entsetzt zurückweichen. Der deutsche Rekordnationalspieler taucht im eigentlichen Spiel aber nur sehr selten auf, weswegen auch Matthäus-Hasser mit ruhigem Gewissen zum FM2003 greifen dürfen.
Denn die Investition lohnt sich. Bereits beim Studium der Anleitung bekommt man den Eindruck, dass Gerald Köhler mit dem FM2003 „sein“ persönliches Anstoss 4 veröffentlicht hat. Das technische Grundgerüst stammt nach wie vor vom FM2002, bis auf die 3D-Engine zur Spieldarstellung, die wurde FIFA 2003 entnommen. Hinzugekommen ist der typische Anstoss-Charme und jede Menge Spielwitz.
Nach der problemlosen Installation und dem ersten Spielstart fällt sofort die bei EA typische Vereins- und Spielernamenlizenz positiv auf. Statt mit dem 1.FC Gelsenkirchen und den Sportfreunden Mönchengladbach um Punkte zu kämpfen, geht es schon von Werk ab realistisch mit Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach los. Dabei wurden nicht nur die ersten Mannschaften eingebaut, sondern auch noch die jeweiligen Amateuerteams. Insgesamt umfasst der FM2003 satte 45 Ligen. Nachdem man dieses Authenzitätsplus wohlwollend vermerkt hat, stürzt man sich erst mal auf das eigentliche Spiel. Ihr könnt eine echte Karriere starten, oder mit einem bestimmten Verein ins Spiel starten. Bei der Eingabe Eurer persönlichen Daten fragt das Spiel sogar nach Eurer Freundin – falls Ihr eine habt und ihren Namen angebt, fungiert sie später im Spiel tatsächlich als Freundin. Mit der könnt Ihr etwas unternehmen, sie beschenken oder ihr einen Heiratsantrag machen. Stimmt sie dann der Trauung zu, können auch Kinder in die Welt gesetzt werden. Doch Vorsicht: Vernachlässigt Ihr Euch zu sehr um Euer Herzblatt, setzt sie Euch kurzerhand vor die Tür.

 Bengalischer Feuersturm - die Grafikengine kann alles   Bengalischer Feuersturm - die Grafikengine kann alles


Überhaupt: Der FM2003 übernimmt die sinnvollsten Features aus dem FM2002 und packt neue hinzu. Das Präsidium ist nun weitaus transparenter: Vor jedem Spiel könnt Ihr Euch vom Vorstand mitteilen lassen, was für das nächste Spiel von Euch erwartet wird und wie Eure momentane Vertragssituation aussieht. Läuft es einmal nicht rund und das Vertrauen der hohen Vereinsfunktionäre sinkt in den Keller, hilft eine klärende Aussprache – die steht aber nur einmal pro Saison zur Verfügung. Wer konsequent nur Niederlagen einfährt, wird denn auch prompt vor die Tür gesetzt.

Die Möglichkeiten, auch mal ein Spiel zu gewinnen, sind vielseitig. Köhler hat sich bei der Mannschaftsaufstellung fleißig bei Anstoss 3 bedient und die Eigenschaften der Spieler mit leichten Rollenspielelementen gewürzt. Jeder Kicker kann jetzt in seiner Laufbahn verschiedene Fähigkeiten erlernen, die unter Umständen zu einer Bonuseigenschaft führen. Sind bei einem Spieler zum Beispiel „Antritt“ und „Schnelligkeit“ besonders austrainiert, erhält er die Bonuseigenschaft „Geölter Blitz“. Von diesen Boni gibt es jede Menge, so dass Ihr gezielt nach Spielern Ausschau halten könnt, die Ihr wirklich gebrauchen könnt. Zum Beispiel auf dem Transfermarkt. Hier kann man sich entweder auf der Transferliste umgucken, Vereine absuchen oder einfach das Programm nach Akteuren suchen lassen. Allerdings kann sich jetzt nicht mehr Energie Cottbus auf Anhieb Stefan Effenberg kaufen, nur weil genug Geld in der Kasse ist. Die Spieler achten darauf, wo Euer Club steht und welche Stärken und Schwächen er hat. Wenn Euer Verein in Liga 2 rumkrebst, aber 40 Millionen Euro veräußern kann, wird trotz des Geldes kein Tomas Rosicky zu Euch wechseln, da Superstars nur bei Spitzenklubs spielen möchten. Ähnlich wie bei Anstoss 4 müßt Ihr Euch zunächst mit dem Verein über die Ablösesumme einigen (falls die nicht schon z.B. durch einen auslaufenden Vertrag auf 0 Euro festgelegt ist) und dann die Vertragsmodalitäten mit dem Spieler klären. Dem könnt Ihr dann ein Angebot unterbreiten, es kann allerdings sein, dass in der Zwischenzeit andere Vereine auch auf den Mann aufmerksam geworden sind und ihm ebenfalls einen Kontrakt anbieten. Habt Ihr Euren neuen Stürmerstar dann nach zähem Verhandeln doch verpflichten können, bekommt Ihr die Reaktion der Mannschaft auf den Einkauf mitgeteilt. Spieler auf der Position des Neuzugangs können durch den Einkauf entweder zusätzliche Motivation im Kampf um den Stammplatz erhalten oder moralisch völlig wegbrechen. Ein Neuzugang mit einer Durchschnittsstärke, die deutlich über der Durchschnittsstärke der Mannschaft liegt, zieht dann auch die ganze Truppe mit, die den Mann als Verstärkung empfindet und Moral gewinnt. Am 10. Spieltag bewertet der FM2003 dann Eure Neuzugänge aus der Sommerpause, von Sensation bis Flop ist alles drin.

Nicht nur im Transfermarkt kann Geld gelassen werden, auch im Stadionbau. Und der ist wirklich fantastisch gelungen. Zum einem könnt Ihr es ganz schnell machen und lediglich die Platzanzahl und die Kategorie (Einfach, Normal, Luxus) des neuen Baus angeben. Gefällt Euch der Entwurf, einfach auf OK klicken und den Bau abwarten.
Viel interessanter ist aber der Schritt-für-Schritt-Modus. Hier werdet Ihr nacheinander nach allen möglichen Details zu Eurem gewünschten Stadionausbau gefragt. Das reicht von der Neigung der Tribünen über die Farbe der Sitzschalen bis hin zu Standarddingen wie der Größe der Videowand oder Überdachung eines Blocks. Hier können wirklich detaillierte Kleinigkeiten festgelegt werden, und die Benutzerführung beim Stadionausbau ist sehr gelungen.


Eure Truppe braucht aber nicht nur einen großen Spielplatz, sondern auch ein wenig Züchtigung. Hierfür finden sich im Trainingsmodus zahlreiche Möglichkeiten, übersichtlich arrangiert. Schwächen des Teams lassen sich hier ebenso gezielt trainieren wie neue Taktiken. Bei längeren spielfreien Phasen packt Ihr Euch einfach alle Mann und zieht für einige Tage ins Trainingslager, um die Form hochzupushen.
Training ist die eine Seite, um Spieler auf hohem Stärkelevel zu halten. Im Training werden Eigenschaften und Fähigkeiten erlernt und die Form beibehalten, während andere Werte wie zum Beispiel die Moral eines Spielers von ganz anderen Kategorien abhängen. Laßt Ihr einen Kicker mit Stärke 8 ewig auf der Bank schmoren, geht seine Moral in den Keller, bis er nur noch Stärke 5 hat. Nicht nur durch fehlende Spielpraxis, sondern durch viele andere Faktoren, zum Beispiel einen miesen Vertrag, kann die Moral runtergehen. Gerade ausländische Spieler mit Sprachschwierigkeiten fallen deswegen oft in moralische Löcher – da lohnt es sich, einen Dolmetscher anzustellen. Die Motivation der Spieler lässt sich aber auch durch Einzelgespräche, Ausflüge in griechische Restaurants oder Vergnügungsparks verbessern.

Überhaupt: Nicht nur Dolmetscher finden sich im Mitarbeitertroß eines FM2003-Coaches. Psychologen muntern Bankdrücker auf, Scouts machen sich auf die Suche nach neuen Spielern und auch um Fans, Stadion und Finanzen können sich Mitarbeiter kümmern. Dabei sind die Fähigkeiten der Kollegen zu Spielbeginn arg dürftig, ihr werdet kaum Leute mit einem Level über 2 auf den Listen finden. Durch Lehrgänge könnt ihr die Fähigkeiten Eurer Angestellten aber verbessern, sodaß deren Level schnell ansteigt und die Herren bessere Arbeit leisten. Natürlich könnt Ihr auch völlig ohne Mitarbeiten antreten und alles selber machen. Das macht zwar am meisten Spaß, ist aber auch eine Menge Arbeit.

Wenn die Elf zusammengekauft und auf einen Toplevel trainiert ist, steht dem saisonalen Spielbetrieb natürlich nichts im Wege. Entwickler Gerald Köhler hat vieles aus Anstoss 3 mit in den FM2003 genommen, beispielsweise die Spieldarstellung. Die könnt Ihr entweder ganz weglassen, in einer Art Videotextmodus betrachten oder als 3D-Match anschauen. Der Videotextmodus beschreibt mit fortlaufender Spielzeit eintretende Angriffe oder Ereignisse, wobei Ihr zwischenzeitlich sogar selbst Entscheidungen treffen müsst: In bestimmten Situationen könnt Ihr Eurem ballführenden Kicker zurufen, ob er schießen oder abspielen oder doch lieber dribbeln soll. Weitere solcher Ereignisse lockern den Modus zusätzlich auf, so könnt Ihr bei knapper Führung kurz vor Schluß einen ins Aus trudelnden Ball extra weit weg kicken, damit der gegnerische Spieler noch weiter laufen muß. Allerdings riskiert Ihr damit, dass Euch der Schiri auf die Tribüne setzt. Grafisch brillant ist die 3D-Darstellung. Wen wundert’s, bediente sich EA hier doch schlicht FIFA 2003. Allerdings werden im 3D-Match nicht die taktischen Vorgaben umgesetzt (wie in den beiden anderen Modi), es spielt einfach stur der FIFA 2003 – Computer gegen sich selbst. Das lässt sich allerdings verschmerzen, denn die Darstellungen sind einfach fantastisch. Wenn man die Jubelarien im gerade frisch errichteten 90.000 – Zuschauer – Luxusstadion sieht, freut sich das Fußballerherz; ganz im Gegensatz zu Anstoss 4, dessen 3D-Modus zwar die taktischen Anweisungen umsetzt, grafisch aber nur eine äußerst hässliche Qualität zu bieten hat und hoch buglastig ist.
Nach dem Spieltag informiert Euch eine Ausgabe des kicker über den aktuellen Spieltag. Der Spielbericht zu Eurer Partie wird zwar nur aus Textbausteinen zusammengesteckt, interessanter sind aber ohnehin die anderen Meldungen: Wer wechselt wohin, wie äußern sich Eure Spieler über Euch in den Interviews, was haben die Pokalauslosungen ergeben? Bietet das Magazin bei Anstoss 4 inhaltlich rein gar nichts, so gibt es im FM2003 ständig sechs Artikel zu lesen.

 Sogar die bajuwarische Betonschüssel ist originalgetreu nachgebildet   Sogar die bajuwarische Betonschüssel ist originalgetreu nachgebildet


Ein aktueller Blick auf den (reellen) Kader des VfB Stuttgart zeigt: Die jungen Talente sind groß im Kommen. Wirbelte vor nicht allzu langer Zeit noch oft eine Ü30 für ihre Klubs über den Rasen, geht heute der Trend zu den 19-22jährigen. Um selbst eine Meistermannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 23 Jahren aufzubauen, stellt Euch der FM2003 ein breitgefächertes Feld der Jugendarbeit zur Verfügung. Zunächst kommt dem Prinzip zugute, dass jeder Mannschaft eine zweite Elf angehört. Wer in der ersten Truppe nicht gebraucht wird, kann in die Reserve verschoben werden und umgekehrt. So können Eure Jugendspieler erst mal in der Amateurmannschaft Spielpraxis und Spielstärke sammeln, ehe sie ins Haifischbecken geworfen werden. Talentierte Jugendliche können dem Verein beitreten, indem sie von Euren Scouts entdeckt werden, entweder auf einem vereinseigenen Talenttag oder auf einer ihrer üblichen Sichtungstouren. Diese Touren beschränken sich nicht nur auf das städtische Umfeld, die Scouts suchen auch in allen Ecken der Welt nach aufstrebenden Jungspielern.
Das Errichten von Jugendcamps irgendwo auf der Welt ist ein weiterer Weg zum heranziehen künftiger Superstars. Dabei kostet das Camp in Indien weniger als in Brasilien, dafür gibt’s in Brasilien aber auch die absoluten Fußballer-Rohdiamanten. Langfristig gesehen ist eine fundierte und gut ausgebaute Jugendarbeit die Basis, um eine Topmannschaft aufzubauen.

Am Ende steht und fällt aber alles mit dem lieben Geld. Der Finanzbereich im FM2003 ist ähnlich ausgebaut wie in Anstoss 3. Hier könnt Ihr noch an die Börse gehen, die Preise für alle Fanartikel einzeln regeln und so fort. Wem das zu aufwendig ist, der gönne sich einen Geschäftsführer.
Gerald Köhler wäre zuletzt nicht er selbst ohne seinen typischen Humor. Im FM2003 gibt es eine Menge witziger Ereignisse, die sich auf Eure Spieler auswirken. So kann der eine dem anderen zum Beispiel einen Werbevertrag wegschnappen, der „Geprellte“ reagiert damit, dass er den Wagen des Teamkollegen zerkratzt. Eine neue Spielerfeindschaft ist geboren. Auch herrlich ist die ab und zu stattfindende Wahl zum „Weichei der Woche“ im Trainingsbildschirm: Zum Weichei wird, wer bei dem Drama mit dem untergehenden Schiff heult oder wer sich über Dellen im Auto beschwert, wenn er direkt hinterm Tor parkt.

 Transferverhandlungen sind komplexer und spannender   Transferverhandlungen sind komplexer und spannender



Fazit von Christian Gehlen:

Herzlichen Glückwunsch nach Köln – nach dem schwerfälligen Vorgänger hat sich EA mit Gerald Köhler genau den richtigen Mann an Bord gezogen. Der FM2003 trumpft mit all den Tugenden auf, die Anstoss 3 groß gemacht haben und kombiniert sie mit den sinnvollsten Features des Vorgängers. Ganz nebenbei wird Ascarons Katastrophe Anstoss 4 völlig an die Wand gespielt. Die Langzeitmotivation des FM2003 ist beachtlich, gerade die Kleinigkeiten halten den Spieler am Bildschirm. Schließlich will man doch wissen, ob der Neuzugang vom FC Barcelona eingeschlagen hat oder als Fehleinkauf gilt. Die Zusammenarbeit mit dem kicker Magazin hat am Ende dann auch ein virtuelles Fußballmagazin eingebracht, das trotz seiner zusammengewürfelten Texte gerne vom Zocker gelesen wird und im Gegensatz zu dem traurigen Blättchen von A4 sogar Inhalt bietet.
Ein rundherum gelungenes Managementvergnügen, das den bisherigen Genrekönig von der Spitze stößt. Wenn Ihr Euch auch nur ansatzweise für Fußball interessiert, greift sofort zu.
Fußball Manager 2003  (Review) Electronic Arts
Empfohlenes System: CPU mit 900 MHz, 128 MB RAM

Wertung:
Grafik: (8 / 10)
Sound: (6 / 10)
Bedienung: (8 / 10)
Spieltiefe: (9 / 10)
Multiplayer:

(6 / 10)

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Gesamt:

89%
Christian Gehlen
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» Genre: Sport/Strategie
» Entwickler: EA Sports
» Publisher: Electronic Arts
» Release: Bereits erschienen.
» Links: · http://www.fm2002.de · http://www.electronicarts.de
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