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 Neverwinter Nights
26. August 2002 | 19:08 | Review
In der Stadt Niewinter herrscht Chaos. Eine Seuche, der "Heulende Tod" genannt, grassiert in der Stadt. Die Fürstin lässt sie unter Quarantäne stellen und die verseuchten Armenviertel abriegeln. Die örtliche Heldenakademie versorgt die Stadt ständig mit neuen Helden, die versuchen, ein Heilmittel zu finden. Einer von diesen ist der Spieler. Damit beginnt Neverwinter Nights und schon ist man in einer epischen, fesselnden Geschichte gefangen. Während der Suche deckt man langsam eine riesige Verschwörung auf, die das Ziel hat, alles Leben zu zerstören...

 Die Story wird durch Zwischensequenzen weiter vertieft   Die Story wird durch Zwischensequenzen weiter vertieft


Alleine in Faerun

Der Einzelspielermodus beginnt wie gewohnt mit der Erstellung eines Charakters. Hier werden sich Rollenspieler sofort heimisch fühlen. Man wählt das Geschlecht, die Rasse, die Charakterwerte, die Klasse und das Aussehen des Charakters. Profis vergeben jeden Fertigkeitspunkt und wählen jeden Zauberspruch einzeln. Anfänger können sich bequem per "Empfohlen"-Button die Punkte vom Computer vergeben lassen. Die Auswahl der Zaubersprüche und Fertigkeiten können Anfänger umgehen, indem sie sich für ein vordefiniertes Startpaket entscheiden. So kann man sich beispielsweise als Magier für ein Beschwörer oder Nekromant-Startpaket entscheiden. Als Beschwörer erhält man dann alle Zaubersprüche, die sich auf die Beschwörung beziehen. Es gibt alleine für Magier 9 Startpakete. Nahkämpfer stehen dem in Nichts nach. Paladine können sich zum Beispiel zum Untotenjäger oder zu einem Adelsstreiter „weiterbilden“. Letzterer zieht mit Langschwert und Schild durch die Lande, während der Untotenjäger einen Streitkolben schwingt. Bei der Charakterentwicklung sind einem keine Grenzen gesetzt. Vom strohdummen Kampfork bis zum intelligenten zierlichen Hexenmeister ist alles dabei. Nach der Charaktererstellung findet man sich im Tutorial wieder. Dort werden die wichtigsten Grundlagen wie Kameraführung, Interaktion mit Personen, Inventarmanagement und Kampf vermittelt. Auffällig ist, daß der Spieler die meisten, per Multiple-Choice geführten, Dialoge selber lesen muß. Nur ein Teil wurde vertont. Von Anfang an besitzt der Spieler einen Rückrufstein, der den Charakter bei Benutzung zurück in den Tempel teleportiert. Dort kann man dann geheilt werden, gefundene Gegenstände gegen Bares eintauschen oder diese identifizieren lassen. Der Rückteleport kostet am Anfang 50 Goldstücke. Je weiter man in der Story voranschreitet, desto teurer wird dieser. Am Ende ist er sogar unmöglich. Ein Wermutstropfen für Rollenspieler: Eine richtige Party gibt es im Einzelspielermodus nicht. Der Spieler kann lediglich einen Söldner anheuern, der sich recht eigenständig verteidigen kann. Er besitzt kein Inventar, kann aber über das Kreismenü befehligt werden. Dieses ruft man mit einem Rechtsklick auf. Dort werden alle Aktionsmöglichkeiten aufgeführt, die man an diesem Objekt vollführen kann. So kann der Spieler per Rechtsklick auf eine Kiste diese aufbrechen oder per Dietrich öffnen. Rechtsklickt man auf einen Gegner, hat man die Auswahl zwischen den Zaubersprüchen oder Spezialattacken des Charakters. Sollte mal ein Söldner im Kampf getötet werden, wartet dieser nach seiner Wiederbelebung im örtlichen Tempel. Segnet man dann selbst mal das Zeitliche, wird man im Tempel wiedergeboren und verliert sowohl Gold, als auch Erfahrungspunkte. Magisch Begabte können desweiteren einen Begleiter herbeizaubern. Anfänglich sind dies beispielsweise Schreckensdachse und später dann sogar mächtige Elementarwesen. Da kämen wir auch schon zu einem weiteren Minuspunkt: Die Wegfindung. Söldner und Begleiter bleiben des öfteren an Wänden hängen und reagieren nicht gerade sehr intelligent. So spielte ich einen Druiden, der neben einem Söldner auch noch einen stämmigen Bären dabei hatte. Nach einem Kampf verdeckten die beiden andauernd die Sicht auf herumliegende Beute. Während des Spiels rückt jeder Söldner langsam mit einem eigenen Quest heraus. Im Laufe des Spiels begegnet man den üblichen AD&D Monstern: Am Anfang vor allem Trollen und Räubern, später gibts dann Dämonen und Drachen. Während der Hauptquest "Die Welt retten" kann man sehr oft Nebenquests übernehmen. Diese sind sehr unterschiedlich und bringen neben Spielspaß auch Gold und Erfahrungspunkte. So wird zum Beispiel eine Festung von bösen Orks belagert oder man muss Richter in einem Streit zwischen zwei Brüdern spielen und dabei ein möglichst gerechtes Urteil fällen. Neverwinter Nights besitzt insgesamt vier Kapitel. Hat man das erste, zugegeben etwas langweilige, Kapitel gemeistert, wird man immer stärker in die Welt um Niewinter gezogen. Dann heißts immer "Nur noch ein Quest, dann schalte ich den PC mal aus". Erledigt man alle Quests, inklusive der Nebenquests, so kommt man auf etwa 70 Spielstunden.
 Am Anfang erstellt man sich erst einmal seinen Charakter   Am Anfang erstellt man sich erst einmal seinen Charakter
Der Wiederspielwert ist sehr hoch. Spielt man das Spiel mit einem Magier durch, so wird man sicherlich beim nächsten Mal einen Kämpfer benutzen. Alle Charaktere sind grundverschieden. Spielt man einen, wie oben erwähnt, strohdummen Ork, so hat man während eines Gesprächs die Auswahl zwischen Fragen wie "Wer du sein?" oder "Was du wolle?". Schlüpft der Spieler dann in die Rolle eines charismatischen Paladins, gelingt es dem Spieler oft den Gesprächspartner zu überreden und so höhere Belohnungen rauszuschlagen. Sämtliche Klassen wurden von Baldur’s Gate 2 übernommen und dem neuen Regelwerk angepasst. Jede Quest hat verschiedene Lösungswege. Versperrt eine Tür den Weg, und man besitzt nicht den dazugehörigen Schlüssel, so gewährt ein gut platzierter Blitzschlag oder ein Hieb einer Axt auch den Zugang. Jeder Charakter besitzt auch eine Gesinnung. Vollführt man gute Taten und hilft herumirrenden Menschen, so verschiebt sich die Gesinnung langsam Richtung gut. Hat man dann mal Lust, einen Antagonisten zu spielen, kann man durch entsprechende böse Aktionen die Gesinnung ändern. Dabei ändert sich dann auch deren Spielweise. Gute Charaktere überreden NPCs, böse bedrohen diese oder erpressen Schutzgeld. Man sollte es mit dem „Böse sein“ aber nicht übertreiben. Überall in den Städten laufen Wachen herum, die euch dann euer Lebenslicht ausblasen wollen. Bei Neverwinter Nights hat BioWare einen Mittelweg zwischen Action und Rollenspiel geschaffen. Ausufernde Gespräche mit NPCs erinnern an Rollenspiele und die actionlastigen Kämpfe verzeihen schon mal taktische Fehler. Dadurch ist Neverwinter Nights sowohl für Profis als auch für Anfänger interessant.
 Die Grafik ist eine Augenweide. Vorallem die Texturen können sich wirklich sehen lassen   Die Grafik ist eine Augenweide. Vorallem die Texturen können sich wirklich sehen lassen

Alle Zaubersprüche verbessern sich im Laufe des Spiels. So wird aus einem kleinen Feuerbällchen im fortgeschrittenen Spiel ein verheerender Feuersturm. Kleriker starten mit kleinen Heilsprüchen und beenden die Kampagne mit starken Gruppenheilsprüchen. Druiden können sich am Anfang nur in Tiergestalten, dann in Elementare und schließlich in mächtige Höllenkreaturen verwandeln.
Tötet man genügend Monster, so bekommt man einen Levelaufstieg. Dann kann man auswählen, ob man seine aktuelle Klasse behalten will, oder einen mehrklassigen Helden ausbilden möchte. Zauberer können sich dann natürlich neue Zaubersprüche einprägen und einen Begleiter auswählen. Nahkämpfer suchen sich neue Talente, wie Waffenspezialisierungen aus. Wer hier nur Bahnhof versteht, kann sich vom Computer empfohlene Steigerungen vorschlagen lassen. Dies gilt jedoch nicht für Zaubersprüche.

Für Baldur’s Gate-Veteranen ist die Story zu dünn. Otto-Normal-Zocker werden aber sofort in deren Bann gezogen. Nicht zuletzt die Quests und deren zahlreiche Neben- und Charakterquests erzählen die Story sehr gut. Charakterquests sind, wie der Name schon sagt, Quests, die nur eine bestimmte Gruppe erfüllen kann. So kann man als Druide einem Druidenzirkel beitreten, aber nur dann, wenn man einen Kampf gegen einen anderen Druiden gewinnt. Magier können Magiergilden beitreten oder Schurken Gutbetuchten bei der Erleichterung um ihre Schätze behilflich sein.

 Nach einer Quest kann man beim Händler allerlei Gegenstände ver- oder ankaufen   Nach einer Quest kann man beim Händler allerlei Gegenstände ver- oder ankaufen


Mit der Steuerung steuer ich 'rum

Neverwinter Nights hat eine einsteigerfreundliche Steuerung. Per Mausrad zoomt der Spieler im Geschehen hinein und hinaus. Bewegt man den Cursor an die Seite, so dreht sich die Kamera. Mit einem Linksklick befehligt man seinen Charakter an diesen Ort zu gehen, mit Personen zu reden, oder Gegner anzugreifen. Die Bedienführung ist auch sehr einfach gehalten. Rechts oben findet man sein Charakterporträit, darunter einzelne Optionen wie z.B. Ausruhen, Inventar, Karte oder Charakter. Eine einblendbare Karte, sowie ein Kompass helfen bei der Orientierung. Für Profis ist vorallem das Fenster im unteren Bereich wichtig. Dort werden alle Aktionen und Attacken - insbesondere die Schadensberechnung - genau aufgeschlüsselt. Das ermöglicht Profis, ihre Kampfkraft zu optimieren und ihre Taktik zu verfeinern. Unter diesem Fenster befindet sich ein weiteres nützliches Werkzeug. Die sogenannte Quickbar-Leiste. In dieser Leiste sind Spezialattacken oder Zaubersprüche verstaut, welche per F-Taste aufrufbar sind. Neue Zaubersprüche zieht man einfach in einen freien Slot und sie sind sofort verfügbar. In dieser Quickbar-Leiste finden 36 Sprüche oder Spezialattacken Platz - viel mehr, als man je benötigen wird. Wie gewohnt kann man per Leertaste das Geschehen pausieren und gemütlich neue Taktiken austüfteln oder sich einen Heiltrank genehmigen.

 Die Stadt Niewinter wird von Unholden attackiert   Die Stadt Niewinter wird von Unholden attackiert


Im Keller mit 64 Leuten

Das eigentliche Hauptaugenmerk von Neverwinter Nights liegt im Multiplayer. Neben dem Spieler gegen Spieler-Modus und der Möglichkeit, die Einzelspielerkampagne durchzuspielen, gibt es auch den sogenannten Dungeon Master-Modus. Wie im traditionellen Pen&Paper Rollenspiel ist ein Spieler Spielleiter und platziert Monster und Fallen und vergibt Quests. Insbesondere mit einer eingespielten Gruppe macht das sehr viel Spaß. Eine entsprechende Breitband-Internetverbindung vorausgesetzt, können sich 64 Mitspieler auf einem Server tummeln und den Monstern den Garaus machen. Nach dem Patch der deutschen Version ist es nun endlich möglich, einigermaßen lagfrei durchs Internet zu streifen.
 Der Druide kann sich später sogar in einen sehr mächtigen Dämonen (mitte) verwandeln   Der Druide kann sich später sogar in einen sehr mächtigen Dämonen (mitte) verwandeln


Grafik und Sound

Die Grafik von Neverwinter Nights ist wirklich ein Augenschmaus. Schöne Texturen, realistisch berechnete Schatten und wehendes Gras laden zum Verweilen ein. Sobald dann noch mächtige Zaubersprüche des neunten Grades das Schlachtfeld durchpflügen, zeigt die Engine, was sie kann. Man braucht aber keinen Magier, um die Engine genießen zu können. In Nahkämpfen kann man sehr weiche Animationsphasen bewundern. Während des Kämpfens pariert der eigene Charakter dann Schwerthiebe oder weicht selbigen gekonnt aus.
Egal ob Kriegsgeschrei angreifender Trolle oder der brutzelnde Feueratem eines Drachen, alle Soundeffekte sind sehr gut gelungen. Die musikalische Untermalung wurde von Jeremy Soule beigesteuert, der z.B. den Soundtrack von Morrowind gemacht hat.

 Während dem Spiel trifft man auf viele Monster   Während dem Spiel trifft man auf viele Monster


AD&D tut nicht weh – oder die mysteriöse 20

Die Rollenspielspezialisten von BioWare haben in Neverwinter Nights erstmals die dritte Edition der D&D Regeln verwendet. Dabei hat man sich auf die traditionellen Werte der „Urversion“ der Dungeons & Dragons Regeln besonnen. Das Wertesystem baut nun auf dem sogenannten d20-System auf. Das bedeutet, dass alle Würfelaktionen mit einem 20-flächigen Würfel entschieden werden. Außerdem basieren alle Charakterwerte auf dem Wert 20.
Desweiteren wurden neue Zaubersprüche hinzugefügt.
 Der komfortable Aurora-Editor ist einfach zu bedienen. Mit ihm kann man sehr schnell eigene Quests zusammenschrauben   Der komfortable Aurora-Editor ist einfach zu bedienen. Mit ihm kann man sehr schnell eigene Quests zusammenschrauben


Was man sonst noch für sein Geld bekommt...

Neverwinter Nights kommt in einer Eurobox zu euch nach Hause und enthält neben dem obligatorischen Spiel ein ca. 200 Seiten starkes Handbuch. Neben Tipps zum Spiel enthält das Handbuch spielbezogene Erklärungen der D&D Regeln. Außerdem ist eine Einführung in den hervorragenden Aurora-Editor enthalten. Mit dessen Hilfe können sowohl Anfänger als auch Profis in wenigen Minuten ihre eigene Welt bauen. Diese sogenannten Module kann man dann auf der offiziellen Homepage zum Download anbieten. Mittlerweile existieren schon mehr als 500 dieser Module. Hat man das Spiel durchgespielt, kann man so weitere Abenteuer erleben.
Die Box enthält außerdem eine Karte, auf der das gesamte Spielgebiet inklusive einer Karte von Niewinter eingezeichnet ist.

Fazit von Christian Baltes:

Neverwinter Nights kann sowohl Profis als auch Anfänger in seinen Bann ziehen. Die fesselnde Story wird mit tollen Nebenquests erweitert. Minuspunkte sind die fehlende Party, häufige Ladepausen und eine schlechte Wegfindung der Begleiter. Wer sich damit anfreunden kann, erhält einen tollen Action-Rollenspiel-Mix der alleine im Singleplayermodus schon 70 Stunden fesselt. Mit Freunden im Dungeon Master-Modus macht es mindestens soviel Spaß wie im Einzelspielermodus. Dank des einfach zu bedienenden Editors kann man andauernd neue Episoden für Neverwinter Nights schaffen. Der hohe Wiederspielwert raubt einem auch die Nächte. Neverwinter Nights ist das perfekte Spiel um über das schlechte Wetter dieses Sommers hinweg zu trösten, durchzockte Nächte sind garantiert.
Neverwinter Nights  (Review) BioWare
Empfohlenes System: PIII 800 | 256 MB RAM | GeForce 2

Wertung:
Grafik: (9 / 10)
Sound: (7 / 10)
Bedienung: (6 / 10)
Spieltiefe: (10 / 10)
Multiplayer:

(9 / 10)

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Gesamt:

87%
Christian Baltes
Weitere Infos zu Neverwinter Nights ...

» Genre: Rollenspiel
» Entwickler: BioWare
» Publisher: Atari
» Release: Bereits erschienen.
» Links: · http://www.bioware.com · http://www.atari.com · http://www.infogrames.de
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