Mittwoch, der 11. Juni 2003   


 

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 Bomberfun
06. Mai 2003 | 11:17 | Review
Wo rohe Kräfte sinnlos walten... sind seit jeher die Bombermen am Werk. Schon seit 1985 begeistert Hudsons Bombenwerferei mit ihren simplen Spielkonzept Zocker auf der ganzen Welt, auf NES, Super Nintendo, Playstation, Mega Drive und vielen anderen Plattformen sorgte das Game für eine Menge durchgezockter Multiplayernächte mit einem Riesenspaß.

Da es aber auch Menschen geben soll, die mit dem Wort „Bomberman“ nix anfangen können, hier eine kurze Zusammenfassung: In einer Arena treten eine bestimmte Anzahl Spieler gegeneinander an. Die Arena besteht aus porösen und soliden Blöcken. Die Spieler müssen nun versuchen, alle anderen zu eliminieren, indem sie Bomben legen. Mit den Dingern lassen sich auch die porösen Blöcke wegpusten, unter denen dann auch Extras auftauchen können – z.B. erhöhte Schnelligkeit, größere Feuerkraft der Bombe, oder die Fähigkeit, mehrere Bomben auf einmal zu legen. Friendly Fire ist dabei natürlich an, also aufpassen, dass man sich nicht selbst wegpustet. Klingt einfach, ist auch so – zum Steuern braucht’s nur das D-Pad und einen Feuerbutton. Dazu dann noch drei Kumpels und zwei Kästen Getränke, und die Nacht ist gerettet.
Nun ist es nicht unbedingt so, dass noch niemand versucht hat, Bomberman auf den PC umzusetzen. Neben einer unüberschaubaren Menge an Share- und Freewareprogrammen gibt es letztlich auch „Atomic Bomberman“, das ähnlich wie die Konsolenfassungen mit den typisch japanisch-knuddeligen Bomberman-Spielfiguren aufweisen kann. Irgendjemand bei dem deutschen Developer Lightbrain muß wohl noch mal sein Super Nintendo rausgekramt haben – hinter „Bomberfun“ versteckt sich nämlich nichts anderes als ein astreiner Bomberman-Klon.

 Bombenstimmung im Schloßgarten   Bombenstimmung im Schloßgarten


Es galt für uns also rauszufinden, ob sich dieses Plagiat wirklich mit dem Original-Bomberman messen kann. Jahrelange Erfahrung mit dem Konsolenklassiker in petto, stürzte ich mich also auf das DVD-Case und öffnete es mit gierigen Fingern. Nanu, kein Handbuch? Seltsam. Egal, erst mal installieren. CD rein, Autostart ploppt auf – und was sehe ich im Autostartmenü? Den Button „HANDBUCH“. Gott sei Dank, für Notfälle ist dann wenigstens was zur Hand.
Die Installation verläuft problemlos, auf Wunsch erstellt das Game einen Shortcut auf dem Desktop. Nach dem Spielstart erst mal husch ins Optionsmenü, um das Joypad zu konfigurieren, denn wer will schon per Tastatur Bomberman spielen? Leider fand ich dort nur die Möglichkeit, zwei Keyboard-Settings zu verändern. Na gut, ich gab mich damit zufrieden. Der Rest des Hauptmenüs besteht aus Einstellungen von der Stange: Ein paar Grafikdetails, Schwierigkeitsgrad, Audiolautstärke, grundlegende Spieleinstellungen wie Zeit und Rundenzahl, fertig.
Erster Testlauf also im Single Player – Modus. Lightbrain hat eine Vielzahl verschiedener Arenen eingebaut, die in verschiedenen Grafikstilen gehalten sind. Ihr ballert Euch durch Atlantis, aztekische Landschaften und einiges mehr. Dabei wird Euch zu jedem Level angezeigt, welche Fähigkeiten Ihr mitbringen solltet: Von „Für Anfänger“ bis „Nur für die besten“ ist für jeden was dabei. Habt Ihr Euch für eine Arena entschieden und eingestellt, wie lange Ihr gegen wie viele Gegner bomben wollt, geht es zur Charakterauswahl.
Wer die bisherigen Hudson – Spiele kannte, kannte auch die Spielfiguren: Typisch japanische Kopffüßler mit eckigem, dicken Kopf und ohne Mund. Lightbrain hat sich von dieser Variante natürlich komplett abgewendet und ein eigenes Repertoire an Spielfiguren gezaubert. Passend zu den vorliegenden Welten finden sich Araber, Ägypter, blau gefärbte Unterwasserwesen und noch einige relativ normale Zeitgenossen. Und – oh Wunder: Plötzlich funktionierte mein Gamepad, mit dem ich mir einen der Protagonisten aussuchen musste. Alles vorbereitet für die große Schlacht? Dann geht’s los!

Vor jedem Match rotiert die Kamera kurz über der 3D-Arena, bevor sie in die normale isometrische Ansicht zoomt. Sieht neckisch aus, ist aber eigentlich überflüssig. Sobald der Startschuß gefallen ist, gilt: Löcher bomben, Items sammeln, Gegner plätten! Und schon nach wenigen Minuten fallen Mängel im Gameplay auf: Wie bei jedem Bomberman, gibt es auch bei Bomberfun nicht noch Items mit positiven Auswirkungen, sondern auch eines mit negativen. Das war bei Bomberman von Hudson der Totenkopf. Wenn man den eingesammelt hatte, passierten die verrücktesten Dinge: Man begann, unaufhörlich Bomben zu legen, oder man wurde kreuzlahm, oder man tauschte mit irgendjemandem die Position, oder die Bomben brauchten fünf Sekunden länger zum Hochgehen usw. Die Auswirkungen wurden dabei immer zufällig gewählt, so dass man nie wusste, was als nächstes passiert. Ein solches Item hat Lightbrain auch in Bomberfun, dort ist es die Biohazard-Kiste. Deren Auswirkungen sehen etwas anders aus: Ihr werdet entweder sehr groß oder winzig klein, langsam oder rasend schnell etc. Nichts spektakuläres also, eher diese 08/15-Behinderungen. Ärgerlich wird es dann, wenn jedes zweite freigesprengte Item aus dieser Biohazard-Kiste besteht. Wie auch immer der Item-Verteilungsalgorithmus von Bomberfun funktioniert, irgendwie setzt er falsche Prioritäten.

 Das ist nicht der Bundestag, sondern das Charaktermenü   Das ist nicht der Bundestag, sondern das Charaktermenü

Desweiteren wirkt die Steuerung selbst mit Gamepad irgendwie hakelig. Zum Vergleich habe ich noch mal das alte Bomberman für die Playstation herausgekramt, und siehe da: Es lässt sich wesentlich flüssiger steuern. Und letztlich ist die Aufbau der Arenen nicht ganz geglückt. In vielen steht viel zu viel Plunder rum, der einem die Sicht verdeckt, dabei ist das Spieltempo doch so schon schnell genug. Hektisch wird’s dann, wenn noch eine zweite Spielebene dazukommt, die man über kleine Treppen erklimmen kann.
Konsolenveteranen stören sich dann noch daran, dass die Spielfiguren komplett anders aussehen als die geliebten Bombermänner. Auch haben die Männies keine kultigen japanischen Sprachsamples mehr, mit denen sie manche Aktion kommentieren, sondern Englische. Damit geht zwar der Charme des Spielkonzepts etwas flöten, gerade für Neueinsteiger dürfte das aber kein wirklicher Kritikpunkt sein,
Technisch präsentiert sich Bomberfun von seiner Schokoladenseite. Besonders hervorzuheben ist hier der Sound: Der ist in 5.1 vorhanden und dermaßen wuchtig, dass die Subwoofer der Nation viel zu tun haben werden. Gerade die Explosionen sind heftig, markig und voluminös in Szene gesetzt worden. Untermalt wird das Geschehen im Spiel wie in den Menüs mit einer trancigen Mucke, die an Paul van Dyk erinnert. Aber auf die kommts gar nicht an: Wenn die ersten Explosionen durch die Gegend hallen, geht’s soundtechnisch voll zur Sache.
Auch die Grafik braucht sich nicht zu verstecken: Die Level sind ansprechend gestaltet, die Lichteffekte und ein paar kleine Spiegelungen wissen zu überzeugen. Ein paar der Spielfiguren sehen dürftig aus und auch die teilweise mangelhafte Übersicht gehen einem auf den Keks, aber sonst ist auch die grafische Leistung von Lightbrain einwandfrei.
Was wäre ein Bomberman-Spiel ohne Multiplayermodus? Laut Verpackung ist Lightbrain großzügig gewesen: mehrere Spieler pro PC, alle im LAN oder sogar per WWW. Vorsicht: Der Internetzock erweist sich als Reinfall. Es ist lediglich im Netzwerk möglich, eine Verbindung zu einer IP aufzubauen. Solltet Ihr zufällig gerade die IP eines bomberfun-süchtigen Kumpels in Castrop-Rauxel zur Verfügung haben, könnt Ihr so eine Verbindung zu ihm aufbauen. Unter WWW-Multiplayer darf man heute aber gefälligst umfangreichere und komfortablere Möglichkeiten erwarten.

 Auch unter Wasser gehts heiß her   Auch unter Wasser gehts heiß her




Fazit von Christian Gehlen:

Im Vergleich zu den Konsolenklassikern hat Bomberfun keine Chance. Das liegt zum einen an den teilweise unübersichtlichen Levels, zum anderen am unausgereiften Multiplayermodus. Das bloße Eingeben einer IP als Onlinemodus zu verkaufen, ist schon fast dreist. Die Steuerung ist auch etwas verunglückt.
Auf der Habenseite verbucht Lightbrain eine sehr gute technische Leistung mit Grafik und vor allem derbe fetten Sound, knackige Computergegner und halt doch den Vorteil, dass das Spiel irgendwie süchtig macht. Denn zumindest die Multiplayermodi im LAN oder mit mehreren an einem PC sorgen noch für mächtig Laune. Der größte Pluspunkt ist der Preis: Der liegt gerade mal bei zehn Euro (!!!), und dieses Geld ist Bomberfun allemal wert. Da dürft Ihr dann auch trotz der Kritikpunkte ruhigen Gewissens zugreifen!

Bomberfun  (Review) Lightbrain
Empfohlenes System: CPU mit 1 GHz; 5.1-Sound empfohlen

Wertung:
Grafik: (7 / 10)
Sound: (8 / 10)
Bedienung: (6 / 10)
Spieltiefe: (2 / 10)
Multiplayer:

(8 / 10)

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67%
Christian Gehlen
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