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| 20. Oktober 2002 | 13:59 | Review |
Sommer, Sonne, Sonnenschein – Eidos präsentiert eine knuffige Wirtschaftssimulation rund um Ferieninseln, Appartements und Liegestühle. Wer die Urlauber am besten abzockt, der gewinnt.
Das Ziel des Spiels lautet: Verwandelt eine wunderschöne tropische Insel in ein Ferienparadies. Eure zahlungskräftigen und –willigen Gäste müssen dabei natürlich mit allen Regeln der Kunst bedient werden, das schließt nicht nur das Installieren eines Tretbootverleihs mit ein, sondern auch das Engagieren von Reiseleitern und Errichten von Diskotheken. Aber alles der Reihe nach.
Beach Life schluckt bei der Installation etwas mehr als 900 MB eures Festplattenspeichers. Das ist noch im durchschnittlichen Rahmen, wenn man bedenkt, dass UT 2003 sage und schreibe 2,5 Gigabyte verbraucht. Startet man das Spiel, lacht einem im Titelscreen schon eine blonde Strandschönheit im Bikini entgegen. Derlei Artworks gibt es auch im Handbuch zuhauf, weshalb man anfangs eher eine Art Wet auf Urlaubsinseln als eine ernstzunehmende Wirtschaftssimulation erwartet – der Eindruck zerstreut sich später zum Glück, die Bikini-Bräute dienen tatsächlich nur zur Zierde.
Neben dem üblichen Kampagnenmodus gibt es in Beach Life den sogenannten Sandkastenmodus. Hier kann fröhlich ohne Vorgaben einfach drauflosgebaut werden, allerdings nur in Szenarien, die man im Kampagnenmodus erfolgreich abgeschlossen hat. Bevor man sich in den Sandkastenmodus begibt, sollte man wirklich vorher die Kampagne durchgespielt haben, da einige der 12 Inseln spielerisch sehr ergiebig sind.
Was bleibt einem also anderes übrig, als sich gleich ins erste Szenario zu stürzen? Nichts, also steigen wir mal ein.
Zu Beginn eines jeden Szenarios erwartet den Spieler ein kurzes Briefing, in dem erläutert wird, welche Vorgaben innerhalb einer bestimmten Zeit erfüllt werden müssen. Dabei kann es sich beispielsweise um das Beseitigen von Abfallbergen handeln, aber auch um eine bestimmte Mindestanzahl von Gästen, die sich zu einem festgelegten Zeitpunkt im Park aufhalten muss, oder einen Mindestbetrag an Bußgeldern, die Eure Wachmänner eintreiben müssen. Im ersten Szenario müssen lediglich alle fehlenden Gebäude errichtet werden, die Ansprüche steigen jedoch stetig.
Befindet man sich dann im Spiel, fühlt man sich unweigerlich an die Klassiker des Aufbaugenres erinnert. Beach Life wird in einer isometrischen 2D – Perspektive gesteuert, die grafisch zwar recht altbacken, aber immer noch zweckdienlich ist, da so die Übersicht erhalten bleibt. Auflösungen bis hoch zu 1200*960 bieten jedem Zocker das angemessene Maß an Überblick. Gesteuert wird das Ganze – natürlich – per Maus.
| | Betreten der Baustelle auf eigene Gefahr |
Die ersten Gäste trudeln ein und verfügen über zwei Dinge: Geld und Anspruch. Das eine gilt es ihnen abzuluchsen, das andere muß befriedigt werden. Und da auf einer Insel massig Strand vorhanden ist, liegt nichts näher, als das erste Geld mit den Badewütigen zu verdienen. Die kann man schröpfen, indem man verschiedene Buden am Strand baut, wo Strandaccessiores vermietet werden: Liegestühle, Tretboote, Surfbretter und so weiter. Wenn sich der Tag dem Ende neigt und die Handtücher wieder eingerollt werden, kann der Spaß im Sand trotzdem weitergehen: Bierbuden haben ganztags geöffnet und nachts kann man seinen Gästen in einer Stranddisko weiter das Geld aus der Tasche ziehen.
Der gemeine Urlauber möchte aber natürlich mehr als nur planschen und feiern: Grundbedürfnisse, wie Essen und Trinken müssen natürlich auch gestillt werden. In Beach Life gibt es dazu genügend Möglichkeiten: Von der Burgerbude über dem Eisstand bis hin zum stilvollen Restaurant – jeder Anspruch kann befriedigt werden. Ein Supermarkt bietet Kopfschmerztabletten und Sonnencreme an, was natürlich interessante Kombinationen zulässt: Der Alkoholgehalt des Bieres wird hochgeschraubt, der Bierpreis reduziert und den Reibach macht man dann am nächsten Morgen mit den Kopfschmerztabletten. |
Damit das Inselleben nicht aus den Fugen gerät, brauchen Sie auch noch Personal. Putzfrauen säubern Toiletten, leeren Mülleimer und sammeln weggeworfenen Unrat auf, Handwerker reparieren defekte Gebäude oder zerstörte Einrichtungen, die von randalierenden Gästen auseinandergenommen wurden. Damit die erst gar nicht randalieren, können Sie Wachmänner engagieren. Reiseleiter kümmern sich um Gäste, die Fragen haben oder sich nicht wohl fühlen.
Die Gäste sind dabei mehr als bloßes Zahlenwerk. Jeder der Urlauber hat einen eigenen Namen und eine eigene Statistik. Dabei lassen sich auch die letzten drei Gedanken des Gastes abrufen, die oftmals in recht witzigen Sätzen verfasst sind. Klicken Sie beispielsweise jemanden an, der sich gerade prügelt, lesen Sie als letzten Gedanken: „Was glotzt du so? Willst du Ärger?“ Daß prügelnde Gäste nur ein Zeichen dafür sind, dass es Ihrem Ressort an Sicherheitskräften mangelt, lässt sich an solchen Äußerungen erkennen. Freilich lässt sich hier auch checken, wie gut die Verpflegung der Gäste organisiert ist. Verärgern kann man die Urlauber nämlich auf vielerlei Art und Weise: Zu hohe Preise, ungenügendes Wassersportangebot, ständig zerstörte Einrichtungen, bergeweise herumliegender Müll, keine Möglichkeiten zum Feiern etc. – das sind nur ein paar der Gründe, warum Gäste vorzeitig abreisen. Sollten sich vor Ihrer Beschwerdestelle Menschenmassen mit gepackten Koffern tummeln, sollten Sie schleunigst umdisponieren. Ein wenig erinnert das Gehabe der Gäste an Die Sims.
| | Die Tanzwütigen sind losgelassen... |
Technisch ist Beach Life kein neuer Standard. Die Grafik bereitete bei der Bewertung besondere Magenschmerzen: Die isometrische Sicht ist zwar völlig veraltet, die Gebäude sind jedoch liebevoll gezeichnet. Absolutes Highlight sind allerdings die Animationen: Die Gäste strampeln im Meer, küssen sich, tanzen, torkeln, übergeben sich, prügeln sich, biegen sich vor Lachen, trinken, sitzen auf Parkbänken, bräunen sich auf ihren Handtüchern und und und. Der Wuselfaktor bei Beach Life ist enorm und macht sogar vor dem Personal nicht halt: Wenn die Putzfrauen mit ihren Eimern jonglieren, provoziert das schon mal den einen oder anderen Lacher. Das Meer ist mit einigen Wellen animiert, sehr gelungen ist dem Entwickler aber auch der Tag- / Nachtwechsel, der nicht ruckartig, sondern sehr schön fließend vonstatten geht. Der erste Eindruck der Grafik mag enttäuschend sein, die zahlreichen liebevollen kleinen Details machen den miesen Eindruck aber wieder wett. Und besser als die pixelige Tropico – Optik ist die von Beach Life eh.
Ein absoluter Volltreffer ist die musikalische Untermalung. Hier hat man sich nicht auf Eigenkompositionen verlassen, sondern setzt auch professionelle Ambient- / Lounge-Tracks namhafter Künstler wie z.B. Laurent Garnier, Crustration, Bent und vielen mehr. Das ist richtig geniale Musik, die hundertprozentig zum interaktiven Geschehen passt – man fühlt sich bald wirklich wie in einer der Ambient-Diskotheken Ibizas. Die Soundeffekte sind ebenfalls recht gut geworden: lachen, kichern, dröhnende Bohrer – alles ist dabei.
Leider hat man die 12 Szenarien schnell durchgespielt, und auch der Endlosmodus fesselt nicht ewig an den Bildschirm. Allerdings macht es Spaß, sich das wuselnde Treiben der Gäste anzusehen.
| | Alles gruppiert sich um die Getränkebude |
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Fazit von Christian Gehlen:
Ein Spiel wie 29°C im Schatten bei wolkenlosem Himmel. Beach Life fesselt durch seine Zugänglichkeit, beeindruckt mit seinem humorvollen Charme und begeistert mit seinem exzellenten Soundtrack. Dass es dennoch nicht zum Superhit gereicht hat, liegt ganz einfach an der Kurzlebigkeit des Spielvergnügens. Die 12 Szenarien sind recht schnell durchgespielt, danach macht sich Langeweile breit. Nach einiger Zeit ist man nur noch darauf aus, Gebäude hochzuziehen und Geld zu scheffeln: Hier macht sich dann wieder Routine breit. Langzeitmotivation ist dadurch gar nicht erst angesagt, um aber ein paar witzige Wochenenden zu verbringen und vom nächsten Urlaub zu träumen, dafür langts bei Beach Life allemal. Ein Game, das mit etwas mehr Feinschliff ein echter Abräumer hätte werden können – das Potenzial ist da, es wurde nur nicht richtig ausgenutzt. |
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Wertung: |
| Grafik: |
         (7 / 10) |
| Sound: |
         (10 / 10) |
| Bedienung: |
         (8 / 10) |
| Spieltiefe: |
         (5 / 10) |
Multiplayer:
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         (0 / 10) |
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| Christian Gehlen |
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