|
|
 |
 |
 |
 |
| 16. Oktober 2002 | 18:14 | Review |
Das Konzept der Entwickler war ganz einfach: „Wir nehmen einfach das Beste aus den zwei Megahits Diablo 2 und Baldurs Gate 2, steuern ein paar eigene Ideen bei und generieren so den Überhit Divine Divinity.“ Ob der Plan aufgegangen ist und Divine Divinity seinen beiden Vorbildern wirklich den Rang ablaufen kann, erfahrt Ihr in unserem Review:
Los geht’s
Womit fängt jedes Rollenspiel an? Richtig! Mit der Auswahl eines passenden Charakters. Hier macht auch Divine Divinity keine Ausnahme. Genau wie in Diablo 2 entscheidet man sich anfangs für einen Heroen, der mit ganz individuellen Stärken und Schwächen das Abenteuer beginnt. Im Gegensatz zu Blizzards Meisterwerk stehen euch hier statt fünf nur drei verschiedene Helden zur Verfügung, die klassischer kaum sein könnten: Der Kämpfer strotzt vor Kraft und Lebensenergie und ist eine wahre Killermaschine. Wer Nahkampf bevorzugt und auch die schwersten Waffen des Spiels wirkungsvoll handhaben will, entscheidet sich für ihn. Der Magier setzt, wie könnte es auch anders sein, auf Magie und brutzelt seine Feinde mit allerlei Hokus Pokus. Im Nahkampf hält er allerdings wegen seiner niedrigen Lebensenergie nicht lange durch. Der dritte Charakter ist der Überlebenskünstler, der als Mischung der beiden anderen Charaktere daherkommt. Sobald dann noch Name und Geschlecht des Helden gewählt wurden geht’s auch schon los.
| | So siehts aus: unten das Menü und der aktuelle Status, oben links die beliebig verschiebbare Minimap und die eigentliche Spielwe |
Man wacht in einem unbekannten Haus auf. Man besitzt weder Kleidung, Ausrüstung noch irgendwelche anderen Gegenstände. Die ersten Schritte gestalten sich komfortabel. Mit einem Mausklick auf die entsprechende Stelle dirigiert man sein Alter Ego durch die Spielwelt. Dabei kann man wie in Diablo 2 zwischen normaler Gehgeschwindigkeit und Rennen, was jedoch Ausdauer verbraucht, wählen. Über eine Menüleiste oder entsprechende Hotkeys ruft man übersichtliche Fenster für Inventar, Attribute und Charakterfertigkeiten auf. Ein roter Balken informiert den Spieler stets über den aktuellen Gesundheitsstand, ein blauer Balken über den verbleibenden Manavorrat. Ein Stockwerk weiter erfährt man von einem Heiler etwas über das Dorf in dem man sich befindet und das man von ihm gerettet und hierher gebracht wurde. Das Dorf ist eine kleine Ansiedlung von Heilern aller möglicher Rassen des Landes. Das Dorfoberhaupt scheint von einem Dämon befallen zu sein und stammelt nur noch wirres Zeug. Die Heiler sind auf der Suche nach einem Heilmittel, hatten jedoch bisher wenig erfolg. Klingt ganz nach Arbeit für einen Helden der am Anfang seiner Karriere steht!
Also machen wir uns auf, erkunden das Dorf und die riesige Umgebung, halten per Multiple Choice Schwätzchen mit den ansässigen Dorfbewohnern und versuchen unsere aktuelle Hauptquest zu lösen. Dabei häufen sich so einige Nebenquests an, die sich meist auf das „hole Gegenstand A und bringe ihn zu Person B“- oder „Töte Monster X“-Schema beschränken. Bei der Erfüllung unserer Quests stoßen wir schnell auf die ersten Monster, die per Mausklick bekämpft werden. Das Kampfsystem ist ähnlich wie in Diablo 2: Klick’n’Kill lautet die Devise. Spezialattacken und Zaubersprüche, die an ihren Manavorräten zehren, sind besonders effektiv und befördern meist mehrere Gegner auf einmal ins Jenseits.
| | Drachen sind hartnäckige Widersacher. |
Große Welt
Das Land in dem man sich dabei bewegt ist riesig und bietet viele Orte zum entdecken und erkunden. Bereits besuchte Gebiete werden dabei automatisch auf einer übersichtlichen Karte mitgezeichnet. Auf dieser Karte sind ebenfalls wichtige Orte markiert. Zudem können beliebig viele eigene Markierungen hinzugefügt werden. Leider muss man des öfteren lange Marschwege in Kauf nehmen. Allerdings kann man, mit fortschreitenden Spielverlauf, immer mehr Teleporter aktivieren, die die langen Reisen erheblich verkürzen. Zudem bekommt man schon sehr früh zwei Teleportersteine, die an beliebigen Orten platziert werden können. Zwischen diesen kann man sich hin und her teleportieren. Vorzugsweise legt man einen dieser Steine an einem sicheren Ort, an dem man heilen oder übernachten kann, ab und nimmt den anderen mit auf die Reise. Gerät man nun in allzu brenzlige Situationen legt man den mitgenommenen Teleporterstein ab, beamt sich mit diesem in Sicherheit, heilt sich und stürzt sich anschließend wieder mit vollen Reserven zurück in die Schlacht.
| | das gesamt Spiel präsentiert sich recht düster und farbarm. |
Extrem nervig hierbei ist: Man kann nur in gewissen Zeitabständen schlafen. In der Praxis bedeutet dies oft, dass man erst einige Minuten warten muss, bevor sich unser Held dazu hinreißen lässt, den heilenden Schlaf zu nehmen.
|
Das Aufsuchen von Heilern ist anfangs noch viel zu teuer, als das es eine Alternative zum Schlafen wäre. Heil- und Manatränke frischen die Reserven zwar auch auf, aber vor allem letztere findet man viel zu selten.
Zu Geld kommt man natürlich indem man Monster tötet, oder durch Handel mit den Bewohnern der Welt. Allerdings ist die Bedienung des Handelsbildschirm recht umständlich ausgefallen. Hier hätte man sich auch besser ein Beispiel an Diablo 2 genommen.
Ausgefeiltes Skillsystem
Durch die Erfüllung von Quests und das Töten vieler Feinde, gelangt man zu Erfahrungspunkten. Bei einer bestimmten Menge steigt der Held einen Level auf. Jeder Levelanstieg wird mit einem Fähigkeitspunkt und fünf Attributpunkten belohnt, welche frei auf die vier Attribute: Stärke, Konstitution, Geschicklichkeit und Intelligenz verteilt werden dürfen. Stärke erhöht nicht nur den Schaden, den ihr im Nahkampf anrichtet, sondern ermöglicht euch auch effektivere Waffen und schwere Rüstungen zu tragen. Konstitution erhöht eure maximale Lebensenergie, die Geschicklichkeit steigert die Treffsicherheit und die Intelligenz bestimmt euren maximalen Manavorrat.
| | Ein Bild aus dem sehr gut gelungenen Intro. |
Gesammelte Fertigkeitspunkte können auf eine von 96 Fähigkeiten, die in drei verschiedenen Fähigkeitsbäumen untergliedert sind, verteilt werden. Jeder Charakter verfügt über seinen eigenen Baum.Großer Unterschied zu Diablo 2 hier: Jeder Charakter kann auch beliebig viele Fähigkeiten anderer Klassen erlernen. Diese Tatsache ermöglicht eine viel freiheitlichere Charakterentwicklung als in Blizzards Vorbild. So können, bei entsprechender Skillverteilung, auch Magier beachtliche Nahkämpfer werden, oder Krieger wild mit Feuerbällen um sich schießen. Oder wie wäre es mit einer Mischung aus Beschwörer und Bogenschütze, der zudem ein Meister der Alchimie ist? Fast jegliche Kombination ist möglich und macht die Helden wesentlich individueller als in Diablo 2.
Bei den Gegenständen hat Entwickler Larian ebenfalls fleißig bei Blizzard abgekupfert. Auch hier werden die Gegenstände zufällig generiert und verbessern oft Attribute oder Fähigkeitswerte eures Heroen. Magische Gegenstände müssen vor der Benutzung meistens erst identifiziert werden.
Die spannende Story rund um den Auserwählten, der das Land vom Bösen befreien soll, entfaltet sich erst langsam.
| | Das Feuer stirbt nie alleine ... |
Miese Technik
Eine weitere Gemeinsamkeit zu den großen Vorbildern Diablo 2 und Baldurs Gate 2 findet sich im Grafikstil. Wo Dungeon Siege bereits vor einem halben Jahr mit wunderschöner 3D-Grafik aufwarten konnte, setzt Divine Divinity immer noch auf isometrische 2D-Grafik. Diese ist zwar recht detailliert, bietet aber weder die Schönheit der gezeichneten Baldurs Gate 2-Hintergründe, noch die spektakulären Zaubereffekte eines Diablo 2. Auch sind die Animationen recht hölzern geraten und die Farbgebung sehr trist. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass das Spiel grafisch der Konkurrenz um mindestens 3 Jahre hinterherhinkt. Trotz der mittelmäßigen Grafik, sind die Ladezeiten recht lang geraten, was vor allem bei häufigem Ableben an den Nerven zehrt. Auch das Speichern dauert einige Sekunden, da ein einziges Savegame über 20 MB groß ist!
Ebenfalls ärgerlich sind die vielen, teils erheblichen, Bugs in der Verkaufsversion, die mittlerweile jedoch durch einen großen Patch größtenteils behoben wurden. Zudem gibt es hin und wieder unerklärliche Slowdowns in der Performance, die das Spiel für kurze Zeit sehr langsam laufen lassen.
Soundtechnisch gibt es nicht viel auszusetzen. Die Musikuntermalung ist meistens passend, bleibt jedoch weitgehend dezent im Hintergrund und fällt nicht weiter auf. Pompöse Soundtracks à la Baldurs Gate 2 werden nicht geboten. Soundeffekte sowie die Sprachausgabe sind größtenteils gut gelungen.
| | nur selten nehmen auch NPCs an den zahllosen Kämpfen teil. Hier verteidigt die Armee zusammen mit dem Spieler eine Kaserne. |
Kein Multiplayer
Was Diablo 2 so erfolgreich machte, fehlt in Divine Divinity komplett: Ein Mehrspieler-Modus. Wer einmal Diablo 2 gemeinsam mit Freunden gespielt hat, weiß, wie spannend es sein kann, gemeinsam durch Fantasylandschaften zu streifen, Monster zu verkloppen und anschließend mit der Beute weltweit Handel zu treiben. Deshalb die große Frage: Warum hat der Entwickler auf einen Multiplayer-Modus verzichtet, wo er doch so gut gepasst hätte?
|
Fazit von Stefan Lehmler:
Besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden. Dieses Sprichwort trifft auch auf Divine Divinity zu. Die Anleihen bei den Genregrößen sind nicht zu übersehen. Allerdings kommt Larians Erstlingswerk weder an das Suchtpotential eines Diablo 2 noch an die Spieltiefe von Baldurs Gate 2 dran. Die veraltete Grafik und andere technische Mängel sprechen auch nicht gerade für das Produkt. Wer jedoch den Vergleich mit den Genregrößen beiseite stellt und ein solides Rollenspiel sucht, der ist mit Divine Divinity bestens bedient. Vor allem das Charaktersystem hat es mir angetan. Hier ist so gut wie jede erdenkliche Heldenform möglich. Die etlichen Haupt- und Nebenquests, die darauf warten gelöst zu werden, bieten langzeitigen Spielspaß. Wirklich schmerzlich ist das Fehlen eines Mehrspielerparts. Gerade im Netzwerk und Internet hätte die Monsterhatz und vor allem das Handeln mit Gegenständen, sowie das Feilen am eigenen Character noch mehr Spaß gemacht. So bleibt Divine Divinity ein gutes Rollenspiel für Solisten, das wochenlang beschäftigen kann.
|
|
|
|
|
Wertung: |
| Grafik: |
         (6 / 10) |
| Sound: |
         (7 / 10) |
| Bedienung: |
         (7 / 10) |
| Spieltiefe: |
         (8 / 10) |
Multiplayer:
|
         (0 / 10) |
|
Titel direkt bestellen... |
| |
|
|
|
|
|
|
| Stefan Lehmler |
|
 |
 |
 |
|
» Keine weiteren Informationen verfügbar!
|
|
» Keine weiteren News zu diesem Thema vorhanden!
|
|
» Keine weiteren Artikel zu diesem Thema vorhanden!
|
|
|