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 Euro 2004
12. Juni 2004 | 16:56 | Review
König Fussball regiert Europa, zumindest alle vier Jahre in besonderer Weise. Dann treten nämlich die besten Mannschaften Europas gegeneinander an und ermitteln den Europameister. Dieses Jahr findet das Ganze in Portugal statt und auch Deutschland ist mit von der Partie. Ob sich Rudi Völlers Team im Gegensatz zur EM 2000 deutlich steigern kann oder ob schon nach der Gruppenphase Schluss ist, könnt Ihr auch selbst entscheiden. Mit Euro 2004 hat Electronic Arts nach FIFA WM 2002 erneut ein offizielles Spiel zu einem Fussballereignis veröffentlicht.


 Dieser Ball landet in der oberen Torecke.   Dieser Ball landet in der oberen Torecke.


In Euro 2004 habt Ihr die Wahl zwischen allen 51 Nationalmannschaften der Qualifikationsrunde, wobei Ihr natürlich mit jeder davon den Titel erringen könnt. Normalerweise halten sich zudem die Qualifikationsgruppen an die Vorgaben, auf Wunsch können sie aber komplett neu durchgemischt werden, wodurch wiederum eine völlig neue Ausgangssituation entsteht. Neben der eigentlichen Europameisterschaft lassen sich auch eigene Turniere erstellen, die man begrenzt modifizieren kann, zum Beispiel durch die Anzahl der Teilnehmer oder der zu absolvierenden Spiele. Wer es lieber gleich spannend haben möchte, der startet sofort ins Elfmeterschiessen und kann sein Geschick beim Verwandeln und Halten der Bälle beweisen. Anfänger machen sich beim Training mit den Grundlagen von Euro 2004 vertraut, zum Beispiel Standardsituationen. Neu hinzugekommen ist bei den Spielern die Moral, die sich durch verschiedene Ereignisse, zum Beispiel Tore oder rote Karten, verbessert oder verschlechtert. Größere Auswirkungen hat das ganze System aber eher weniger, zumindest der Gelegenheitsspieler wird kaum einen Unterschied feststellen.


 Die Atmosphäre in den Stadien ist klasse.   Die Atmosphäre in den Stadien ist klasse.


Wenn alle Einstellungen getätigt sind, kann es auch schon losgehen mit dem runden Leder. Die Präsentation der Spiele ist dabei wieder einmal mehr als gelungen. Unter tobendem Applaus betreten die Teams die Arena, machen sich warm und stehen letztendlich bereit für Nationalhymne und Mannschaftsfotos. Leider ist immer nur der Schluss einer einzigen Hymne zu hören. Hier hätte man auch die kompletten Lieder einfügen können, denn schließlich lässt sich die ganze „Einführung“ vor dem Spiel auch so schon abbrechen. Für die Atmosphäre wäre es mehr als wünschenswert gewesen. Nach Toren und Fouls folgen die obligatorischen Wiederholungen und auch Zwischensequenzen. Bei Fouls allerdings nur, wenn der Schiedsrichter auch eine Karte zückt. Hier wurde auch schön eine immer öfter auftretende Aktion mit ins Spiel genommen: Rudelbildung. Einige Spieler versammeln sich um den Referee, schubsen sich ein wenig umher und halten die „Gegner“ auseinander.

Grafisch gesehen ist Euro 2004 derzeit die schönste Fussballsimulation, zumindest aus der normalen Kameraperspektive. Bei näheren Ansichten der Spieler und Zuschauer fallen verschwommene Texturen und weiterhin „flache“ Fans auf. Letztere bestehen aus Bitmaps, die sich auf oder ab bewegen. Verschiedene Fahnen, die auch geschwenkt werden, beleben allerdings die Zuschauerränge ein wenig. Die Menüs von Euro 2004 wurden teilweise recht ordentlich gestaltet, auch wenn manchmal bei einem Pfeil nur das Ausprobieren zeigt, wozu er eigentlich da ist. Wer zu Beginn vergebens nach den Optionen oder Einstellungen sucht, findet diese relativ schnell als weiterer Menüpunkt unter „Mein Euro“. Nicht gerade eine aussagekräftige Beschreibung.

 Bei Toren nach Standardsituationen werden die Spielzüge analysiert.   Bei Toren nach Standardsituationen werden die Spielzüge analysiert.


Beim Sound war die FIFA Serie schon immer eine Klasse für sich. Besonders die Stadionatmosphäre weiß wieder einmal zu überzeugen. Aufgelockert wird die übliche Geräuschkulisse durch verschiedene „Schlachtrufe“. Sofern mit oder gegen Deutschland gespielt wird, ist im Hintergrund öfter mal ein „Ein Rudi Völler. Es gibt nur ein Rudi Völler“ zu hören. Nach Toren, vergeben Chancen oder Fouls machen sich die Zuschauer außerdem durch tobenden Jubel oder gellende Pfiffe bemerkbar. Für die Sprachaufnahmen verpflichtete Electronic Arts diesmal Steffen Simon und Monica Lierhaus (beide ARD). Die Kommentatoren können dabei in Euro 2004 allerdings weniger überzeugen als noch in den Vorgängern. Ein Beispiel dafür sind teilweise unpassende Kommentare zur aktuellen Spielsituation, wenn etwa ein „grottenschlechter Schuss“ nur knapp am Tor vorbeiging. In den Einstellungen lässt sich die Lautstärke der Kommentatoren aber zum Glück verringern. Mit von der Partie sind auch wieder einige mehr oder weniger bekannte Songs, die gespielt werden, sobald man in den Menüs tätig wird. Bekanntestes Lied dürfte wohl der EM-Song „Forca“ von Nelly Furtado sein.


 Bei Karten diskutieren die Spieler mit dem Schiedsrichter.   Bei Karten diskutieren die Spieler mit dem Schiedsrichter.


Steuern lässt sich Euro 2004 am besten mit einem Gamepad. Zumindest wird ein 360°-Analog-Gamepad im Handbuch empfohlen. Aber auch mit der Tastatur hat man seine Spieler gut im Griff. Die bewährte Off the Ball Steuerung aus FIFA 2004 findet auch in Euro 2004 wieder Verwendung. Während man beim Angriff selbst den anzuspielenden Kameraden in Stellung bringen kann, wird in der Defensive erst der Weg versperrt, um einen weiteren Verteidiger zur Hilfe zu holen. Dies funktioniert relativ einfach und auch mit wenigen Tastenklicks. Einige Starspieler verfügen zudem wieder, wie in FIFA WM 2002, über Spezialbewegungen, die sich in folgende vier Bereiche aufteilen: Zweikampf, Dribbeln, Sprinten und Schießen. Wie die Namen schon sagen, können diese dann besser den Gegner ausspielen oder härter aufs Tor schiessen.


 Frankreich ist Europameister.   Frankreich ist Europameister.


Im Multiplayer-Modus kann man über Electronic Arts’ Online-Portal gegen andere Spieler aus der Welt antreten. Im Kaufpreis des Spiels sind dabei 14 kostenlose Tage enthalten. Nach diesen 14 Tagen kann man mit der Game Time-Karte, die der Verpackung beiliegt, und dem darauf enthaltenen Code ein Jahr lang kostenlos Partien bestreiten. Danach wird der Spieler für weitere Tage zur Kasse gebeten. Ärgerlich ist zudem, dass wieder einmal der Netzwerkmodus gestrichen wurde. Zuletzt war dies schon bei Need for Speed: Underground der Fall, was zahlreiche verärgerte Kunden zur Folge hatte. Spieler, die nicht zusammen an einem Rechner gegeneinander antreten können, müssen sich also jedes Mal über das Online-Portal einloggen.


Fazit von Benjamin Jakobs:

Euro 2004 ist sehr gut, wenn man von den kleinen Mängeln absieht, wie zum Beispiel den schlechten Kommentatoren oder dem fehlenden Netzwerkmodus. Ich persönlich fand es zudem äußerst Schade, dass vor einem Spiel nicht beide Nationalhymnen komplett gespielt werden. Dies würde die Atmosphäre noch mal um ein gutes Stück nach oben drücken und wer die Hymnen nicht hören möchte, der kann ja mit der Escape-Taste auch gleich zum Anpfiff springen. Für Gelegenheitsspieler und Fussballfans ist Euro 2004 die perfekte Begleitung zur Fussball Europameisterschaft, allerdings fehlt später durch nur 51 Mannschaften doch ein wenig die Langzeitmotivation.

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