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| 18. Juli 2004 | 23:42 | Review |
Das alles könntet Ihr in Port Royale 2 in Hülle und Fülle genießen, wenn es da nicht viel zu viele andere Pflichten zu erfüllen gäbe. Schmerzlich verzichtet man in Ascarons neuestem Strategiespiel also auf die hübschen Mädels und macht sich auf, um Geld zu scheffeln, gegnerische Schiffe zu versenken und garstige Piraten zu jagen – oder als Pirat selbst für Ärger zu sorgen.
| | Mit fünf erbeuteten englischen Linienschiffen haben wir die ebenfalls englische Stadt St. Lucia erobert. |
Da es sich bei Port Royale 2 hauptsächlich um eine Wirtschaftssimulation handelt, ist der Handelspart logischerweise auch der wichtigste für die Bewertung des Spiels. Und um es einmal vorwegzunehmen: Er ist sehr gut geworden.
Zwischen den 60 Städten in der Spielwelt werden insgesamt 19 verschiedene Waren gehandelt, von denen höchstens fünf pro Stadt produziert werden können. Es wird zwischen normalen, Kolonial- und Gouverneurstädten unterschieden. Grundwaren (Weizen, Früchte, Holz, Lehmziegel) können in allen Städten produziert werden, Rohstoffe (Mais, Zucker, Baumwolle, Hanf) und Kolonialwaren (Kaffee, Kakao, Farbstoffe, Tabak) nur in Kolonialstädten. Fertigwaren (Fleisch, Kleidung, Seile, Rum) und Importwaren (Gewürze, Wein, Werkzeug) werden nur in Gouverneurstädten hergestellt bzw. importiert. Diese Beschränkungen sind das Grundgerüst des Handels in Port Royale 2, denn eine Ware, die eine Stadt nicht herstellen kann, wird dort automatisch stark nachgefragt. Verstärkt wird die Abhängigkeit nach Waren weiterhin durch weitere Produktionsbeschränkungen. So darf eine Kolonialstadt zwar Kolonialwaren produzieren, jedoch nur eine einzige davon. Kaffee und Kakao kann also keine Stadt gleichzeitig als eigens hergestellte Waren anbieten.
| | Symbole unter den Städtenamen zeigen wichtige Bedürfnisse und Geschehnisse in den Städten an. |
Die Preise für die 19 Waren werden zunächst durch das klassische Nachfrage-Angebot System bestimmt. Besteht also eine hohe Nachfrage an einer Ware, sind auch die Preise dementsprechend hoch. Ein Überschuss an einer bestimmten Ware drückt die Preise. Jedoch spielen auch andere Faktoren bei den Preisen für den Spieler eine Rolle, wie z.B. das eigene Ansehen bei der Nation, der die Stadt mit der man handelt angehört. Hat man genug Ansehen bei einer Stadt erlangt, kann man sogar eine Baugenehmigung erhalten und von da an selbst alle dort erlaubten Waren produzieren.
Um effizient Handel betreiben zu können, muss man mobil und schnell sein. Ohne ein Schiff samt Kapitän läuft also recht wenig in der Welt von Port Royale 2. Glücklicherweise ist es nicht besonders schwer an ein erstes Schiff samt Mannschaft zu gelangen: Eine kleine Shoppingtour in einer gut ausgestatteten Werft und schon hat man sein Fortbewegungsmittel. Hat zwar keinen Motor, dafür aber Kanonen.
Kanonen sind eine wunderbare Überleitung zu einem weiteren wichtigen Aspekt des Spiels, dem des Kampfes nämlich.
Port Royale 2 bietet sowohl See-, als auch Landkämpfe und beide Features weisen Mängel auf. An Seekämpfen können nur die Geleitschiffe einer Flotte teilnehmen (eine Flotte besteht aus Handels- und Geleitschiffen). Zu Beginn eines Kampfes schaltet das Spiel von der Seekarte, über die man sich durch die Spielwelt per Mausklicks navigiert, in eine detailliertere Isometrieansicht um, in der die eigenen Schiffe gegen die gegnerischen geführt werden. Dabei kann nur ein einziges eigenes Schiff gleichzeitig befehligt werden, während der Gegner seine gesamte Geleitflotte unter Kontrolle hat. Dies ist sicherlich ein Makel des eigentlich gut gelungenen Seekampfes, der eigentlich immer fair und schaffbar bleibt.
| | Mit zerstörten Segeln (man achte auf die blau unterlegten 'Kettenkugeln' unten)... |
Der Kampf zu See wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, beispielsweise der Windrichtung, die maßgeblich die Geschwindigkeit des eigenen Schiffes bestimmt, oder der ausgewählten Art Kanonenkugel und natürlich dem Schiff selbst (es gibt 16 Schiffssorten, von kleinen 'Booten' bis hin zu riesigen Kriegsschiffen). So kann man mit verschiedenen Kanonenkugelsorten den Rumpf, die Segel oder die Entermannschaft des gegnerischen Schiffes angreifen. Sinkt der Zustand eines Schiffes auf 0%, so sinkt es und kann nicht geentert und geplündert oder verkauft werden.
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Die Steuerung des Kampfes ist sehr simpel (rechte Maustaste zur Steuerung, linke zum Schießen) und doch nicht anspruchslos ausgefallen. Man braucht ein gutes Auge, um mit den seitlich angebrachten Kanonen des Schiffes das gegnerische voll zu treffen und auch das manövrieren will gelernt sein, um Schiffen auszuweichen, die die Absicht haben das eigene zu entern. Dabei muss vor allem mit dem Wind gearbeitet werden und das erfordert Übung. Bei Angriffen auf Städte von Seeseite aus, müssen sehr oft die brandgefährlichen Verteidigungstürme ausgeschaltet werden. Dabei muss sehr vorsichtig und besonnen gehandelt werden, sonst bleiben am Ende von den eigenen Schiffen nicht viel mehr als Hozbretter übrig, die einsam auf dem Wasser treiben. Alternativ zum Seekampf können die Kapitäne auch ein Duell austragen, um Besatzung und Schiffe zu schonen, der Sieger des Duells hat automatisch den gesamten Kampf gewonnen. Diese Duelle sind jedoch keine Herausforderung und dürften nur seltenst verloren werden.
Zum Kampf zu Lande lässt sich nicht viel sagen, außer, dass er viel zu simpel ausgefallen ist. Zwei verschiedene Truppen (Schützen und Nahkämpfer) erlauben nicht wirklich eine taktische Tiefe im Kampf. Manko #1 des Kampfes in PR2.
| | ... ist dieses vergleichsweise kleine Schiff bald geentert. |
Die Grafik von Port Royale 2 ist veraltet aber dennoch recht nett anzuschauen. Grafische Highlights sind die Duelle, der Seekampf und die Darstellung der Städte. Einen Großteil der Spielzeit wird man jedoch die Seekarte vor Augen haben, die nun wirklich keinen Schönheitspreis gewinnen dürfte.
Ganz anders sieht es bei der musikalischen Präsentation des Spiels aus: Die ist wirklich hervorragend gelungen. Die Sprachausgabe ist schlichtweg brillant, auch wenn längst nicht alle Texte vertont wurden. Die Musikstücke sind ebenfalls von sehr guter Qualität und lassen richtiges Abenteuer- bzw Karibikfeeling aufkommen. Spitze!
Port Royale 2 ist ein sehr komplexes Spiel, das viel mühseliges Lesen und Lernen erfordern würde, um es zu verstehen. Glücklicherweise bietet das Spiel ein brillantes Tutorial an, in dem Schritt für Schritt im Spielgeschehen selbst Aufgaben gestellt werden, die dem Spieler die wichtigsten Mechanismen nahebringen, begleitet von einem Sprecher, der lange Texte vorliest. Sehr komfortabel.
| | Diesen Handelsbildschirm werdet Ihr sehr oft zu Gesicht bekommen. Er zeigt An- und Verkaufspreise an, sowie den Durchschnittspreis für eine Ware. |
Das Spiel bietet ein umfangreiches Statistiksystem, durch welches man die ganzen finanziellen Abläufe besser im Auge behalten kann. Weiterhin kann man in den Notizen alle möglichen Informationen abrufen, wie z.B. zur Zeit bekannte Bedrohungen durch Piraten und – soweit bekannt – die jeweiligen Piratenverstecke. Man erhält weiterhin Informationen über besondere Ereignisse, die das Spielgeschehen entscheidend beeinflussen, wie beispielsweise Stürme in einer bestimmten Region oder eine Seuche in einer bestimmten Stadt. Um nicht jeden einzelnen Handel selbst durchführen zu müssen, kann man, sobald der Kapitän einer Flotte einen bestimmten Rang erreicht hat, diesen anweisen, eine bestimmte Handelsroute abzufahren und Waren ein- bzw. zu verkaufen. Diese Waren werden mit einem einfachen Drag&Drop System bestimmt, auch hier zeigt PR2 einen großen Komfort, der die Kontrolle über das komplexe Handelssystem sehr erleichtert.
| | Eine der zahlreichen Statistiken des Spiels. |
Die Städte in Port Royale 2 sind nicht nur da, um im Handesdock Geschäfte zu machen. In Kneipen lassen sich Kapitäne anheuern oder man veranstaltet ein kleines Kartenspiel, um die leere Geldbörse etwas aufzufüllen. Man kann Feste veranstalten, die man selbst finanzieren muss, um das eigene Ansehen und die Stimmung in der Stadt zu verbessern. Man kann Kredite aufnehmen oder gewähren und beim Stadtoberhaupt Aufgaben und Missionen übernehmen. Diese Aufgaben reichen von simplen Frachtaufträgen, bei denen eine bestimmte Menge einer bestimmten Ware an einen bestimmten Ort gebracht werden soll. Politischer wird es, wenn man bei hochrangigen Politikern, beispielweise dem Vizekönig einer Nation, Aufträge erhält. Diese beinhalten beispielsweise das Zerstören von Flotten gegnerischer Nationen oder die Übernahme feindlicher Städte.
Es gibt in PR2 also eine ganze Menge zu tun und wie man nun zum großen Geld gelangt, ob durch Handel, durch das Erfüllen von Aufträgen oder durch schlichte Piraterie, bleibt dem Spieler selbst überlassen; Freiheiten hat der Port Royale 2 Spieler viele.
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Fazit von :
Port Royale 2 ist ein Spiel, das sowohl Gelegenheitsspieler, als auch alte Hasen im Bereich Handelssimulation interessieren dürfte. Durch das hervorragend ausgearbeitete, umfangreiche Handbuch (ca. 100 Seiten), die mitgelieferte Seekarte und das brillante Tutorial des Spiels wird man auch als Neuling problemlos loslegen können und schon nach für dieses Genre sehr kurzer Zeit Erfolge feiern können. Durch den Abwechslungsreichtum und das superbe Handelssystem wird der Spieler eine ganze weile mit diesem Spiel beschäftigt sein. Diverse Mängel, vor allem im Kampfsystem und bei der Grafik, verhindern eine noch höhere Bewertung des Spiels. Doch diese Mängel sollten niemanden, der an Handelssimulationen interessiert ist, vom Kauf dieses sehr guten Spiels abhalten. |
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Wertung: |
| Grafik: |
         (6 / 10) |
| Sound: |
         (9 / 10) |
| Bedienung: |
         (8 / 10) |
| Spieltiefe: |
         (8 / 10) |
Multiplayer:
|
         (0 / 10) |
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