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| 10. März 2004 | 23:11 | Review |
"Yippieyiyay, Schweinebacke!" schreit der rothaarige Gladiator, nachdem er einen Orkhäuptling gefällt hat, und stürzt sich auf den mittlerweile führerlosen Rest der Feindgruppe. Klingen prallen geräuschvoll aufeinander und nur wenige Sekunden später geht der letzte Ork gurgelnd zu Boden. Auf den Gladiator warten noch tausende anderer Gegner. Das ist Sacred.
| | Combos von verschiedenen Fertigkeiten können sehr wirklungsvoll sein |
Um dem permanenten Gemetzel eine Daseinsberechtigung zu geben, haben Ascaron sich eine passende kleine Story einfallen lassen: Ein Goblinsklave des bösen Nekromanten Shaddar baut beim Beschwörungsritus eines besonders mächtigen Dämonen Mist, sodass das cholerische Höllenwesen ziemlich sauer wird und die Möbel im Palast des Totenbeschwörers etwas nach seinen Wünschen 'umstellt'. Was danach geschieht erfährt man in der Eingangscutscene nicht, wäre ja sonst langweilig. Um dem Beschworenen auf die Krallen klopfen zu können, braucht man natürlich todesmutige Helden und derer gibt es in Sacred exakt sechs: Zum rustikalen Arenakämpfer gesellen sich noch der vorzugsweise mit vergifteten Klingenwaffen und mit der Unterstützung von Fallen kämpfende Dunkelelf und der Kampfmagier, wobei der eher weniger kämpft, sondern wesentlich mehr zaubert. Die weibliche Heldenriege besteht aus der geschickten Waldelfin, die besonders gut mit Fernkampfwaffen (Bogen, Armbrust) die Gegner zur Strecke bringt. Dazu kommt die Seraphim, eine engelsgleiche Kämpferin, die der Magie nicht verschlossen ist, sowie die Vampirin, ein ehemals böser Blutsauger, der nach dem Biss in eine Seraphim wieder eine Seele besitzt und nun im Nahkampf gegen das Übel kämpft, um die Sünden der Vergangenheit wieder gut zu machen.
| | Die Vor- und Nachteile der Grafik: Schöne Charaktere, miese Landschaft in der Nahansicht |
Nach der Wahl für einen der (hoffentlich) tapferen Recken, wird man nach Ancaria gebracht, welches von etlichen zu lösenden kleinen und großen Problemen geplagt wird. Je nach Spielfigur startet man in einem anderen Teil des ancarianischen Gebietes, wobei die Startgebiete selbst nicht sehr weit von einander weg liegen; das Einzige, was also bei jedem Charakter anders ist, ist der unmittelbare Spielbeginn. Der Gladiator beispielsweise muss erst seinen letzten Kampf in der Arena bestreiten, während der Kampfmagier als Abschluss seiner Ausbildung ein Monster erledigen soll. Je nach zu Beginn gewähltem Schwierigkeitsgrad - anfangs stehen als Grade nur "Bronze" und "Silber" zur Verfügung, später kommen "Gold" und "Platin" dazu - ist das Spiel entweder gut durchzuspielen (Bronze) oder es ist so schwer, dass ein entspanntes und Hack&Slay-gemäßes Spielen für einen Level 1 Charakter nicht möglich ist (Silber), weil schon eine kleine Gruppe Goblins mächtigen Ärger macht. Erreicht man nach kurzer Spielzeit die erste Stadt, hat man die Möglichkeit Quests zu erfüllen, zu Handeln, sich alle möglichen Arten von Gegenständen in Waffen und Rüstungsteile einschmieden zu lassen oder sich ein Pferd zu kaufen (vom Pferd aus lässt sich auch beschränkt kämpfen, wobei dessen Level seine Lebensenergie, Geschwindigkeit etc. beeinflusst). Beim sogenannten "Combomeister" lassen sich Fertigkeiten, die nach einmaliger Benutzung Zeit brauchen, um wieder einsatzbereit zu sein, zu einer großen Fertigkeit zusammen fügen, um so gut gegen die Monsterhorden gewappnet zu sein. So kann ein Gladiator beispielsweise innerhalb kürzester Zeit vier Mal 'Harter Schlag' gegen seinen Gegner verwenden, ohne nach jedem normal ausgeführten 'Harten Schlag' erst einige Sekunden warten zu müssen. Will man eine Fähigkeit erlernen oder gegebenenfalls gelernte Fähigkeiten ausbauen, braucht man Runen, welche nach dem Besiegen eines Gegners wie jeder andere Gegenstand auch eingesammelt werden können, falls sie denn überhaupt fallen gelassen werden. Ähnlich wie beim Zaubersystem von Diablo 1, wird eine Rune (beispielsweise die Kampfmagierrune 'Feuerball') per Rechtsklick im Inventar eingelesen und ab sofort hat diese Fertigkeit ein um 1 höheres Level, was mit höherem Schaden, aber auch mit höherer Regenerationszeit verbunden ist. Runen, die man nicht braucht oder die nicht zum eigenen Charakter gehören, können beim Combomeister gegen brauchbare getauscht werden, wobei man schon vier eigene einsetzen muss, um auswählen zu können, welche man haben will, alles darunter ist Zufall. Bei jedem Levelaufstieg des Charakters steigen automatisch Werte wie Stärke, Geschick etc., einen Punkt darf man dabei selbst vergeben, was ziemlich wenig ist und dem Spieler nicht gerade das Gefühl gibt, er hätte wirklich volle Kontrolle über seine Spielfigur. Das Erreichen bestimmter Stufen schaltet zusätzliche Slots frei, die man dazu verwenden kann, Fähigkeiten/Combos und Waffen, auf die man dann schnell Zugriff hat, darin zu speichern. Steigt man im Charakterlevel, kann man weiterhin Punkte in Fertigkeiten wie 'Kampf mit zwei Waffen', 'Feuermagie' und andere stecken. Hier kann man wirklich sehr gut selbst den Weg, den der Charakter gehen soll, bestimmen.
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In den letzten Jahren ist die Bedeutung der Grafik für die qualitative Bewertung von Computerspielen immer größer geworden. Ob man dies nun für eine gute oder schlechte Entwicklung hält, sei jedem selbst überlassen, Sacred zumindest hat für ein 2D-Spiel eine sehr gut gelungene grafische Darstellung. Die Effekte bei der Benutzung von Zaubern und solchen Dingen sind sehr schön, leider ganz im Gegensatz zu den Animationen der Spielfiguren. Wenn der Gladiator beim normalen Gehen vor sich hin watschelt, fühlt man sich unweigerlich an einen Pinguin erinnert. Genauso ist die Umgebung um alle Charaktere bei der kleinsten Zoomstufe (es gibt drei davon) extrem pixelig. Trotz der ganzen negativen Aspekte, ist die Grafik, wie bereits vorhin erwähnt, sehr gut gelungen und erinnert fast schon an 3D. Ein weiterer großer Pluspunkt für die Grafik ist die Vielfalt an Landschaften, die man durchschreitet: Wälder und Wiesen, Schneebedeckte Bergabschnitte, Wüsten und eine Reihe anderer Landschaftssets können bewundert werden.
| | Nur ein toter Drache ist ein guter Drache |
Die drei Hauptaspekte des Sounds eines Spiels - die Musik, die Soundeffekte und die Stimmen - hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck: Für die Vertonung der wichtigen, sprich hauptquestrelevanten, Dialoge wurden gute Sprecher engagiert, bei den Helden kommen teilweise hervorragende Sprecher, wie Beispielsweise Manfred Lehmann, Bruce Willis' Stammsynchronsprecher, oder die Synchronstimmen von Gillian Anderson (Akte X) und Nicholas Cage zum Einsatz. Dieser Aspekt ist also wirklich toll gelungen und auch die Stimmen der Monster sind zufriedenstellend. Soundeffekte, wie zum Beispiel das Klirren von Klingen, wenn sie auf einander prallen, sind zwar gut gelungen, wirken teilweise jedoch deplaziert. Wenn ich auf einen Magier ohne Rüstung und Nahkampfwaffen einschlage und es ständig scheppert, als hätte ich einen Schild getroffen, wirkt das doch etwas deplaziert. Die Musik ist leider der schwächste Teil des Bereiches 'Sound', denn sie ist oft unpassend zum Geschehen auf dem Schirm und allgemein viel zu lasch und zurückhaltend für ein actiongeladenes Spiel wie Sacred.
| | Einige der Landschaften sind eine wahre Augenweide |
Die Bedienung des Ascarontitels ist denkbar einfach. Die linke Maustaste bewirkt einen Angriff auf einen Gegner und eine Bewegung zur Cursorposition, die rechte aktiviert einen Zauber, einen Special Move und ähnliche Dinge. Die Steuerung ist also sehr simpel und leicht verständlich, somit dürfte niemand große Probleme mit ihr haben. Sehr komfortabel ist das System, das man sich für die Benutzung von diversen Tränken hat einfallen lassen: Für jede der fünf verschiedenen Tranksorten [Heiltrank, Gegengift, Trank des Mentors (mehr Erfahrung von Monstern für einige Sekunden), Konzentrationskrank (sofortiges Aufladen aller Combos) und 'Starker Sog der Hölle (besiegte Untote stehen nicht wieder auf)] gibt es eine reservierte Taste, durch die der Trank im Inventar verwendet wird.
| | Eines der besonderen Monster im Spiel: Eine Medusa |
In Sachen Gegenstände, einem der wichtigsten Aspekte für ein Spiel wie Sacred, haben Ascaron sich stark am Konkurrenten Diablo 2 orientiert. Es gibt normale, magische, besondere, einzigartige und Setgegenstände, alle mit einer bestimmten Farbe gekennzeichnet und in ihrer Seltenheit in vorhin gegebener Reihenfolge ansteigend. Auch was die Monster angeht, hat man sich einige Sachen beim Blizzardtitel abgeschaut, so gibt es auch hier normale und besondere Monster, wobei hier logischerweise letztere besonders hart zuschlagen können, dem Spieler dafür jedoch bei ihrem Ableben wesentlich öfter wertvolle Dinge wie Runen etc. hinterlassen.
| | Jetzt geht's rund! Doch ohne Anti-Untotentrank wird das sehr stressig... |
Einer der größten Unterschiede zwischen Sacred und Diablo 2 ist, dass Sacred sich wesentlich weniger ernst nimmt. In ganz Ancaria wimmelt es vor witzigen Eastereggs und versteckten Scherzen. So sind beispielsweise etliche Grabsteine auf Friedhöfen mit humoristischen Sprüchen versehen ("Ich bin ein Star, holt mich hier raus!", nur um ein kleines Beispiel zu nennen), man findet sogar einen klasse gelungenen Nachbau des Dorfes Tristram, welches jeder Hack&Slay-er sehr gut kennen dürfte. Wo das Dörflein zu finden ist, wird natürlich nicht verraten. Weiterhin haben vor allem die Hauptcharaktere und einige Monster einige witzige Sprüche auf Lager, die die Atmosphäre stark auflockern. Der Spruch des Gladiators zu Beginn dieses unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen (argh, mein Rücken!) verfassten Reviews sollte jedem Filmgucker wohlbekannt sein.
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Fazit von :
Ascaron haben mit Sacred den bisher besten Versuch aller Spiele Schaffenden unternommen, Genrekönig Diablo 2 vom Thron zu stoßen: Eine tolle Grafik, Horden von Gegnern, Massen an Waffen und Rüstungen, garniert mit witzigen Anspielungen und Scherzen, machen es definitiv zu einem spielenswerten Titel. Wieso es jedoch nicht an den Klickorgiengroßmeister von Blizzard heranreicht, eröffnet sich dem Spieler erst nach einiger Spielzeit: Wenn man die Blendung durch die klasse Grafik überwunden hat, merkt man, dass sowohl Kämpfe, als auch das System des Charakteraufbaus nicht an Diablo 2 heranreichen können. Sacreds Kämpfe sind zwar viele, aber sie sind teilweise auch sehr zäh und manchmal sogar langweilig, das liegt vor allem daran, dass der 2000er Titel wesentlich mehr Rasanz in den körperlichen Auseinandersetzungen zu bieten hat. Diablo 2 bietet eine wesentlich freiere und umfangreichere Charakterentwicklung: An geballte 210 Skills, die durch den neuesten Patch für das Blizzardspiel wieder alle an Bedeutung gewonnen haben, kommt Sacred mit seinen unter 100 einfach nicht heran, zumal viele Special Moves nicht gerade zur Lobpreisung der ascaron'schen Kreativität animieren (Feuerball, Harter Schlag, Stampfsprung *gähn*). Leider war zur Zeit dieses Reviews (mein armer Rücken) der Multiplayermodus von Sacred nicht unter akzeptablen Bedingungen spielbar, womit er hier unbeachtet bleiben soll. Man kann Ascaron jedoch nur raten, die Performanceprobleme unter Kontrolle zu kriegen, wenn Sacred online einen ähnlichen Kultstatus wie Diablo 2 erreichen soll. Die Möglichkeit dazu hat es, trotz der doch zahlreichen Mängel. |
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