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| 11. November 2002 | 19:03 | Review |
Echtzeitstrategiespiele hatten bisher nur eins zum Thema: Krieg. Statt der Einheitenvernichtung steht bei Emergency 2 nun Einheitenrettung auf dem Plan: Sixteen Tons Entertainment steckt Euch in die Rolle eines Koordinators von Feuerwehr, Polizei und Rettung. Aufgabe: Die Folgen von Unfällen und Katastrophen beseitigen.
Vor einiger Zeit sorgte der erste Teil, Emergency, für Aufsehen. Das frische, unverbrauchte Konzept machte sich eine Menge Fans, und so war der Nachfrolger nur eine Frage der Zeit. Das heißerwartete Sequel steht jetzt seit einiger Zeit in den Läden und möchte Spannung bei der Menschrettung erzeugen.
Emergency 2 bietet 25 Missionen an, deren Hauptaufgabe darin besteht, verschiedene Katastrophensituation zu bewältigen - und zwar mit den gängigen Rettungskräften. Ist es in der 1. Mission nur ein Jeep, der auf einem Bahnübergang liegenbleibt und von einem Zug erfaßt wird, warten im späteren Verlauf des Spiels ein Vulkanausbruch, eine Gefängnismeuterei, Geiselnahme, Zugunglück, Kometeneinschlag und vieles mehr auf Euch. Man sieht: Die Entwickler haben bei den Missionen sehr viel Wert auf Vielfalt gelegt. Schon beeindruckend, wie viele Facetten des Worts "Katastrophe" in Emergency 2 gepackt wurden, so ziemlich jedes Unglück wurde umgesetzt.
Emergency 2 ist gnädig mit Eurer Festplatte. Gerade mal 300 MB werden benötigt. Nachdem Ihr das Spiel gestartet habt, solltet Ihr erstmal das Tutorial durchspielen. Das dauert nicht allzu lange, weil man darin nicht sonderlich viel beigebracht bekommt: Lediglich das Bewegen von Einheiten, das Auswählen von Werkzeug, das auf Feuerwehrwagen liegt und das Löschen beliebiger Flammenherde. Vorsicht: Diese Grundlagen sind zu wenig, um in Emergency 2 flotten Erfolg zu haben.
| | Der Kommandant lebt galant im Unterstand |
Anhand der ersten Mission sollen die drei größten Mängel der Steuerung aufgezeigt werden, die im Test aufgefallen sind. Vor jeder Mission informiert Euch ein recht grobpixeliges kurzes Video über den Unglückshergang, danach landet Ihr in Eurer Einsatzzentrale. Hier habt Ihr Zugriff auf drei Screens, über die Ihr die Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettung zum Einsatzort schicken könnt. Ein Klick bringt Euch direkt zur jeweiligen Basis, wo die Fahrzeuge mit entsprechendem Personal besetzt und dann losgeschickt werden. Allerdings: Der LKW vom Abschleppdienst hat keinen eigenen Screen in der Einsatzzentrale - zu dem muß man sich erst hinscrollen, das heißt, eine beliebige Basis anwählen und dann den Kartenausschnitt zum Stammsitz des Abschleppdienstes bewegen. Die Anleitung erwähnt diesen Umstand zwar kurz, trotzdem ist diese Lösung mehr als lästig. Spätestens wenn man in der ersten Mission den verunglückten Jeep von den Schienen ziehen muß, fragt man sich, wo auf den drei Basisscreens denn sowas wie ein Abschleppwagen zu finden ist. Wenn das Feature der per Screen anwählbaren Einsatzgruppen schon da ist, sollte man es wenigstens für alle Einsatzgruppen einrichten.
Im Einsatz selbst steuert Ihr Fahrzeuge und Fußvolk mit der Maus. Dabei fällt auf, daß Ihr Einheiten nicht zu Gruppen zusammenfassen könnt, was bei umfangreichen Missionen ziemlich stört. Überhaupt: Insgesamt gestaltet sich das Steuern der Einheiten deutlich fummelig. Man muß manchmal schon sehr genau mit dem Cursor zielen, um die gewünschte Einheit anwählen zu können. Erschwerend kommt unter Umständen dann noch die meist einfach nur schlampige Wegfindungsroutine hinzu, wenn es zwei Polizisten nicht schaffen, einem Rettungswagen Platz zu machen, rauft man sich schon mal die Haare. |
Soviel zur Meckerei - betrachten wir das Ganze doch mal in der Praxis anhand der zweiten Mission, in der ein Soldat die Tochter seiner Ex-Frau als Geisel nimmt und beide mit einer Handgranate zu sprengen droht, falls seine Ex nicht auftaucht. Am wichtigsten sind hier die Einheiten der Polizei, namentlich ein Streifenpolizist und ein Polizeipsychologe. Beide werden in einen Hubschrauber gesteckt, der Psychologe redet zunächst behutsam auf den Geiselnehmer ein. Mit Hilfe des Hubschraubers stöbert man die Frau des Amokläufers auf, die vom Streifenpolizisten verhaftet und zum Einsatzort gebracht wird. Dabei braucht Ihr keine Angst vor einem Zeitlimit zu haben, es sei denn, es wird darauf hingewiesen - beispielsweise, wenn ein Bankräuber innerhalb von 10 Minuten ein Fluchtauto haben will.
| | Hochmotiverte Rettungskräfte warten auf IHREN Befehl! |
Die Feuerwehr verfügt über viele Spezialisten zur Brandbekämpfung - vom Feuerwehrmann über Kräfte mit Atemschutz, Funkwagen zur Satellitenkommunikation (deren Einsatz die Anzeige einer Minimap des Einsatzgebietes ermöglicht) bis hin zu üblichen Geräte-LKWs.
Rettungssanitäter kommen meist im Paket mit einem Notarzt, wahlweise per Hubschrauber oder Rettungswagen. Doch Vorsicht: Ihr könnte nicht so viele Einheiten anfordern, wie Ihr wollt: Jede eingesetzte Einheit kostet eine bestimmte Summe Geld, und Euer Budget ist begrenzt. Allerdings dürft Ihr für Euer Geld beliebig Einheiten "mieten" - ob es sich um 20 Polizisten oder um eine Kombination aller Einsatzkräfte handelt, bleibt Euch überlassen.
Sieht man mal von der Fummelsteuerung, der Wegfindung und der unkomplett wirkenden Einsatzzentrale ab, bleibt aber ein solider Eindruck. Das kann man vom technischen Rest des Spiels leider nicht behaupten: Grafisch wird Standardkost der 90er präsentiert: Eine isometrische 2D - Perspektive, zwar mit detailliert gezeichneten Objekten, aber insgesamt doch irgendwie veraltet. Musikalisch bekommt Ihr außer Sprachfetzen und wenigen Soundeffekten rein gar nichts geboten. Schade.
| | Einsatzalltag: Gelangweilte Sanitäter irren umher, ein Streifenpolizist putzt die Mütze. |
Bis jetzt könnte man meinen, Emergency 2 wäre ein Reinfall - aber so schlimm ist es auch nicht. Im Gegenteil: Das Konzept, sich als Koordinator lebensrettender Sofortmaßnahmen zu beweisen, ist immer noch erfrischend. Dazu kommen abwechslungsreich gestaltete Missionen mit einer Vielzahl an verschiedenen zu bewältigenden Aufgaben. So enttäuschend Emergency 2 technisch auch ist, vom spielerischen her weiß es allein durch das Konzept schon zu motivieren. Bis man die Missionen geknackt hat, kann manche Stunde ins Land ziehen - es sind schon teilweise hübsch harte Brocken dabei. Ackert man sich aber nicht durch die etwas zähe und undurchsichtige Anfangsphase, findet man den Zugang zum Spiel nicht und wendet sich schnell ab. Das wäre aber schade, denn das "Reinarbeiten" lohnt sich. Sonst würden einem auch die schönen Nachteinsätze entgehen, die spielerisch allerdings wenig Veränderung bringen. Auch die vorkommenden Umstände, daß es in manchen Einsätzen regnet, ist nur grafisches Beiwerk.
Als weiterer Pluspunkt ist der Anschaffungspreis zu sehen. In Zeiten, wo Vollpreisspiele 45 Euro kosten, kommt Emergency 2 für günstige 25 Euro ins Regal.
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Fazit von Christian Gehlen:
Die Grafik ist angegraut, die unzureichende Sounduntermalung einfach nur ein Ärgernis, die Steuerung hakt teilweise bitterböse. Und doch: Schwerverletzte aus gerade gelöschten Autowracks zu ziehen macht mehr Spaß als jede 08/15-Armee mit 08/15-Kanonen niederzumachen. Genau darin liegt der Reiz von Emergency 2: Das unverbrauchte Konzept. Wer sich geduldig durch die ersten Missionen knabbert, wird langsam merken, wie der Hase läuft. Und dann entfaltet sich der Spielspaß von Emergency 2 erst so richtig. Bis die letzte Mission geschafft ist, wird nämlich einige Zeit vergehen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Die 12. Mission stürzte trotz Patch so gut wie jedes Mal beim Test ab, hoffentlich wird an diesem Fauxpas noch gearbeitet. Trotzdem: Insgesamt bleibt der üble Nachgeschmack einer inkonsequent und schlampig umgesetzten, eigentlich guten Idee. |
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Wertung: |
| Grafik: |
         (4 / 10) |
| Sound: |
         (3 / 10) |
| Bedienung: |
         (6 / 10) |
| Spieltiefe: |
         (8 / 10) |
Multiplayer:
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         (0 / 10) |
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| Christian Gehlen |
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