Dienstag, der 04. März 2003   

 

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 Jahresrückblick 2002
03. Januar 2003 | 01:13 | Report
Die Sektflaschen sind geleert, alle Raketen verschossen und der Weihnachtsmann ist zum Nordpol zurückgekehrt. Kurzum: Das Jahr 2002 ist zu Ende. Grund genug für uns, dieses von seiner spielerischen Seite nochmals Revue passieren zu lassen. Erstmals in unserer Zeit als Online-Magazin ziehen wir eine Jahresbilanz und verteilen unsere ELITE-Awards für die besten PC-Spiele des Jahres.

Action satt

Besonders gut beliefert wurden dieses Jahr die Actionfans. Dass es mittlerweile anscheinend mehr Fortsetzungen als ganz neue Spiele gibt, bestätigte auch das Jahr 2002. Das lang erwartete Sequel zum Actionhit des Jahres 1998, Jedi Knight, wurde wie erwartet ein Hit. Mit Macht und Lichtschwert sowie „konventionellen“ Waffen des Star Wars-Universums infiltrierten wir imperiale Basen, trugen harte Gefechte mit dunklen Sith aus und lösten intelligente Rätsel in den riesigen Levels, die jedoch einige Spieler zur Verzweiflung trieben. Doch nicht nur Solisten kamen mit rund 20 Stunden Spielzeit voll auf ihre Kosten. Der Mehrspielermodus bot viele interessante Spielvarianten und die Möglichkeiten der Machtfertigkeiten und des Laserschwertkampfes hoben Jedi Knight 2 von der Konkurrenz ab. In Szene gesetzt wurde all dies durch die Quake 3-Engine, die noch mal eindrucksvoll unter Beweis stellte, was sie zu leisten vermag.

 vier der vielen Actionkracher des Jahres: Jedi Knight 2, NOLF2, Soldier of Fortune 2 und Unreal Tournament 2003.   vier der vielen Actionkracher des Jahres: Jedi Knight 2, NOLF2, Soldier of Fortune 2 und Unreal Tournament 2003.

Der selben Technik bediente sich ein weiteres Action-Highlight des Jahres, ebenfalls ein Sequel: Nicht nur die ultrrealistische Gewaltdarstellung machteSoldier of Fortune 2 - Double Helix zu einem Unikat in der Aktionbranche.
Als Söldner John Mullins mussten wir einer Terrororganisation, die mit einem Killervirus die Welt bedroht, Paroli bieten. Tolle Grafiken, gut KI, abwechslungsreiche Missionen und Locations, sowie ein sehr gelungener Mehrspielermodus machten auch diesen Titel für Action-Fans zu einem Muss.
Solospieler, die weder auf Sternenkrieger, noch auf ein realistisches Szenario stehen und es lieber schrill und stilvoll angehen, bedienten sich der kessen Agentin Cate Archer, die in No One Lifes Forever 2: A Spy in H.A.R.M.’s Way abermals gegen ihren Erzrivalen Dimitrij Volkov antrat. Das sich die Lithtech-Engine nicht mehr vor der Konkurrenz verstecken muss, sondern dieser mittlerweile sogar zum Teil überlegen ist, zeigte dieses Grafikfeuerwerk eindrucksvoll. Neu war das Skillsystem, in dem man Cate’s Fähigkeiten ganz nach belieben steigern konnte. Lieber leiser Schleichen oder besser Schiessen? Die Wahl war dem Spieler überlassen. Auch waren die Schleicheinlagen dank neuer Technik wesentlich raffinierter. Wie einst in Dark Project war es nun möglich, ganz im Schatten zu verschwinden.
Der Überraschungsshooter des Jahres war wohl Command & Conquer: Renegade. Nur wenige hätten Entwickler Westwood zugetraut das Command & Conquer-Feeling so genial in die dritte Dimension zu befördern. Mit tollen Missionen, gewürzt mit einem einmaligen Multiplayermodus, inklusive funktionierenden Basen und Fahrzeugen, schoss auch dieser Titel in die oberen Regionen unserer Wertungsskala.
Und noch zwei weitere Titel sorgten für Aufsehen in der Spielergemeinde: GTA 3 sowie Mafia sorgten beide durch ihre lebensnahen Schauplätze, schäbige Gegenwart und nostalgische 30er Jahre Umgebung, und abwechslungsreiches Gameplay für ein grandioses Spielerlebnis.

 GTA 3 und Mafia boten spannende Autofahrten und Balleraction eingebettet in glaubwürdige Spielwelten.   GTA 3 und Mafia boten spannende Autofahrten und Balleraction eingebettet in glaubwürdige Spielwelten.

Unser Grafikkönig des Jahres ist ebenfalls ein Vertreter des Action-Genres. Unreal Tournament 2003 ließ Spielern mit entsprechender Hardware die Kinnlade auf den Tisch knallen. Solch eine Grafikpracht gab es noch nie. Die neuste Version der Unreal-Engine sieht verboten gut aus. Auch spielerisch wurde, primär für Multiplayerfans, einiges geboten: perfekte Maps, mit riesigen Außenarealen, besser ausbalancierte Waffen, klügere Bots und der neue Spielmodus Bombing Run, sowie ein noch taktischeres Domination. Solisten waren etwas enttäuscht über den mauen Solopart.
Und auch der glatzköpfige Killer aus Hitman hatte einen zweiten Auftritt, der die stärken des Vorgängers noch ausbaute. Der Nachschub für dieses Jahr steht bereits in den Startlöchern. Allem voran Doom 3. Die Ankündigung und erste Screenshots und Videos sorgten für Furore. Eine brandneue Engine zaubert nie dagewesene Grafiken auf den Bildschirm und lässt so manchen modernen Horrorfilm alt aussehen. Aber auch andere Programme wissen zu überzeugen: Stalker: Oblivion Lost, Breed und Unreal 2 um nur einige zu nennen. Gar nichts hingegen hat man dieses Jahr von einem möglichen Half-Life 2, Team Fortress 2 und, fast schon traditionell, Duke Nukem Forever gehört. Ersteres wurde zwar noch nie offiziell angekündigt, gilt aber weithin als sicher und die beiden anderen sind immer noch in der Entwicklung, wie Pressesprecher von Valve und 3D Realms bestätigten. Wollen wir auf dieses Jahr hoffen!

 Der Grafikschock des Jahres: Doom 3!   Der Grafikschock des Jahres: Doom 3!

Diese Awards gehen ans Action-Genre:

beste Grafik 2002: Unreal Tournament 2003

bester Sound 2002: Jedi Knight 2

bestes Actionspiel 2002: Mafia


Frischer Wind im Strategiegenre

Doch nicht nur das Actiongenre wurde dieses Jahr mit Toptiteln überhäuft. Vor allem Warcraft 3 schlug ein wie eine Bombe. Nach langer Entwicklung, riesigem Hype und vielen Änderungen im Gameplay schaffte es Blizzards neues Meisterwerk schließlich in die Händlerregale. Vier unterschiedliche Völker, coole Helden, Rollenspielelemente, eine detailverliebte Comic-Grafik, tolle Kampagnen mit einer durchgehenden Story und der geniale Multiplayermodus ließen den Hit in allen Referenzlisten an die Spitze preschen. Größter Konkurrent der Kanadier ist der Quasi-Nachfolger von Age of Empires 2: Age of Mythology. In der Antike schlagen sich allerhand Götter, mythische Kreaturen wie Minotauren, Zyklund Medusen, aber auch „klassische“ Einheiten die Köpfe ein. Auch hier mischen Helden fleißig mit und es gibt eine große Kampagne mit einer ebenfalls gelungenen Story. Während Warcraft III eher kurze, dafür aber intensive, hektische Multiplayerschlachten mit wenigen Einheiten bietet, kann man hier mit mehr Ruhe riesige Armeen ineinander preschen lassen und ist gezwungen eine komplexere Wirtschaft aufzuziehen. Doch auch eine dritte Größe des Echtzeitgenres meldete sich neben den Ensemble Studios und Blizzard zurück. Westwood überraschten letztes Jahr mit der Ankündigung ihres neuesten Sprosses der Command & Conquer-Serie. Generals heißt das Werk und bietet neben einem ganz neuen Szenario eine totschicke 3D-Engine. Auch bekriegen sich dieses Mal statt zwei nun drei Parteien (Chinesen, USA, Terroristen). Weniger kriegerisch ging es in Sunflowers Anno 1503 zu, bei dem das Siedeln und Wirtschaften im Vordergrund stand.

 Echtzeitstrategie in unterschiedlichsten Varianten: Warcraft 3, Age of Mythology, Sudden Strike 2 und Anno 1503.   Echtzeitstrategie in unterschiedlichsten Varianten: Warcraft 3, Age of Mythology, Sudden Strike 2 und Anno 1503.

Ein weiterer sehr guter Titel, der sich durch seinen Taktikteil von den anderen Spielen abhob, war Medieval, in dem riesige Heere um die Vorherrschaft im Mittelalter kämpften. Ebenfalls gelungen: Stronghold - Crusaders, welches vor allem durch seinen tollen Skirmish-Modus für wochenlangen Spielspaß sorgte.

Da sich das Spiel jedoch nicht wirklich vom Vorgänger unterschied, bestätigte dieser Titel wieder einmal die Tendenz dazu, Programme, die eigentlich ein gutes Addon abgegeben hätten, als Vollpreisprodukte auf den Markt zu werfen. Ähnlich war es mit Sudden Strike 2, welches zwar auch durchaus gut war, allerdings auch wenig neues bot. Vor allem die alte Grafikengine wirkt mittlerweile sehr angestaubt.
Düster sah es im Jahr 2002 für Rundenstrategen aus: gerade einmal Heroes of Might & Magic, Age of Wonders 2 und das kaum beachtete Disciples 2 konnten in die oberen Wertungsregionen vorstoßen. Die Zeiten großer Rundenstrategiespiele wie einst die Battle Isle-Reihe von Bluebyte oder die legänderen Panzergeneral-Spiele scheinen gezählt.

 Tapfere Verteidiger der Rundenstrategie: Heroes of M&M 4, Age of Wonders 2 und Disciples 2.   Tapfere Verteidiger der Rundenstrategie: Heroes of M&M 4, Age of Wonders 2 und Disciples 2.

Folgende Awards konnte das Strategiegenre einheimsen:

bestes Multiplayerspiel 2002: Warcraft 3

bestes Strategiespiel 2002: Warcraft 3

Spiel des Jahres 2002: Warcraft 3


Die Rolle der Rollenspiele

Ein erfolgreiches Spielejahr kommt nicht ohne eine gewisse Anzahl an Rollenspielen aus. 2002 bot eine solide Auswahl: Für eher actionlastige Kost sorgte Dungeon Siege, das zwar sehr gut war, aber etwas hinter den hohen Erwartungen zurückblieb. Mit einer bis zu acht Köpfe zählenden Party befreite man in grafisch wunderschöne Gegenden und stocklinearem Spielablauf die Lande von Bösewichten.
Größer, schöner, besser gabs bei Morrowind. Der Nachfolger zum bugverseuchten Daggerfall schuf eine Welt, wie es sie bisher noch nicht auf dem PC gab: Eine riesige Insel mit enormer Handlungsfreiheit lud zum Erforschen, Handeln, Quatschen und Kämpfen ein. Gepaart mit einem tollen Charaktersystem in dem so gut wie jede erdenkliche Charakterklasse möglich ist und einer spannenden Story, war dies wohl das beste Rollenspiel des Jahres 2002. Hinzu kam die Möglichkeit die Welt mit dem beliegenden Editor beliebig zu erweitern: Ihr wolltet schon immer einmal ein Häuschen am Meer? Kein Problem, das mächtige Tool machts möglich! Diesen Frühling erscheint das Addon Tribunal komplett eingedeutscht. Für die US-Version ist es bereits erhältlich.
Neverwinter Nights war ein weiterer Hit des Jahres, der sich an Klassikern wie Baldurs Gate 2 orientierte, aber mangels Party leider nicht dessen Qualität erreichte. Dennoch ein tolles Spiel mit einem der mächtigsten Editoren der Spielegeschichte. Ebenfalls neu: Das Spielmeister-System, in dem in Multiplayerpartien wie bei Pen&Paper-Rollenspielen ein Spieler die Rolle des Spielleiters übernehmen kann.

 Ein gutes Jahr kommt nicht ohne Rollenspielkracher aus: Neverwinter Nights, Gothic 2, Dungeon Siege und Morrowind hießen die Spiele, die uns dieses Jahr in Länder voller Magie und Monster entführten.   Ein gutes Jahr kommt nicht ohne Rollenspielkracher aus: Neverwinter Nights, Gothic 2, Dungeon Siege und Morrowind hießen die Spiele, die uns dieses Jahr in Länder voller Magie und Monster entführten.

Der dritte Hit des Jahres war das kurz vor Weihnachten erschienene Gothic 2. Das altbewährtes Konzept vom Sprechen, Handeln, Erkunden und vielen Kämpfen ging abermals auf. Weit hinter seinem Potential zurück blieb das Rollenspiel der Newcomer Larian: Divine Divinity. Mittelmäßige Technik, teils schlampige Programmierung und eine stellenweise zu öder Spielverlauf verwährten dem ambitionierten Projekt einen Platz in den oberen Rängen der Rollenspielliga. Am meisten Enttäuscht wurden wir jedoch vom neunten Teil der Might & Magic-Reihe. Die versprochene 3D-Engine entpuppte sich als pothässlich und polygonarm, gegen die sogar alte Shooter wie zum Beispiel Half-Life wie Grafikmonster wirkten. Auch im Angestaubten Spielverlauf änderte sich nichts: hordenweise Monster töten, Gruppe aufpowern, hordenweise Monster plätten...
Leider musste auch dieses Jahr die PC-Spielergemeinde auf die Umsetzung des aktuellen Final Fantasy-Spiels verzichten. Echte Japano-Rollenspiel-Fans konnten sich höchstens mt Grandia 2 beschäfitgen, welches der Final Fantasy-Reihe aber keinesfalls das Wasser reichen kann.
Untertage ging es im gelungenen Rollenspiel Arx Fatalis zur Sache, welches sich an dem Klassiker Ultima Underworld 2 orientierte.
Für Solisten sieht es im nächsten Jahr zunächst etwas düster aus. Kaum ein großes Solo-Rollenspiel steht in den Startlöchern, dafür aber massig Online Rollenspiele, allen voran World of Warcraft, in dem man online die aus Warcraft 3 bekannte Welt erforschen kann. Ebenfalls vielversprechend ist Star Wars: Galaxies, für das das Star Wars Universum als Grundlage dient. Des weiteren ziehen die Fortsetzungen zu zwei der beliebtesten Onlinerollenspiele ins Rennen: Everquest 2 nähert sich der Fertigstellung und Asherons Call 2 ist bereits erhältlich. Freude herrscht auch bei den Warhammer Fans unter uns. Ein Onlinespiel im Warhammer-Universum befindet sich ebenfalls in der Programmierung.

 Schwer im Kommen: Online-Rollenspiele. World of Warcraft, Star Wars: Galaxies, Everquest 2 und Warhammer Online befinden sich noch alle in der Entwicklung.    Schwer im Kommen: Online-Rollenspiele. World of Warcraft, Star Wars: Galaxies, Everquest 2 und Warhammer Online befinden sich noch alle in der Entwicklung.

Rein rechnerisch konnte das Rollenspielgenre die meisten Awards des Jahres verbuchen, wobei einer weniger Ruhmreich ist:

größte Enttäuschung 2002: Might and Magic 9

beste Spielwelt 2002: Morrowind

beste Atmosphäre 2002: Gothic 2

bestes Rollenspiel 2002: Morrowind


Die Wiederauferstehung der 2D-Adventures

Wirklich überrascht hat uns dieses Jahr das rundum gelungene 2D-Adventure Runaway. In Zeiten in denen sogar der Gott aller Adventures, Monkey Island, auf 3D-Grafiken setzt, hätte man nicht gedacht, dass ein Titel mit der klassischen Zeichentrick-Grafik noch eine ernstzunehmende Konkurenz darstellt.
Leider blieb dieses Ausnahmeprodukt auch das einzige richtig gute Adventure dieses Jahr, schaffte es aber ganz alleine, dem unterbelieferten Genre zwei Awards zu verschaffen:

beste Story 2002: Runaway

bestes Adventure 2002: Runaway

Das Ende der Weltraumsims?

Das Jahr 2002 war nicht gerade das Jahr der guten Simulationen. Nicht eine einzige Weltraumsimulation, außer dem sehr guten Online-Spiel Earth and Beyond, schaffte den Weg in die Händlerregale. Wo bleiben die Fortsetzungen zu Klassikern wie X-Wing: Alliance oder Wing Commander 5? Warum gibt es kein Freespace 3? Einziger Hoffnungsschimmer: Das dieses Jahr erscheinende Freelancer. Fast genauso mau sah es im Genre der Flugsimulationen aus. Einzig und allein der Combat Flight Simulation 3 konnte überzeugen, wenngleich auch er hinter den Erwartungen zurückblieb. Der sehr ambitionierte Simulator Strike Fighters: Project 1 scheiterte an dem unfertigen Zustand, in dem er auf den Markt gebracht wurde. Da es dieses Jahr keinerlei herausragende Flugsimulationen gab, geht das Genre der Simulationen vollkommen Award-leer aus.
Der Hoffnungsträger Nummer eins für dieses Jahr ist Lock On: Modern Air Combat.

Sport

Auch auf dem Sektor des Sports gab es nichts wirklich neues. Solide Fortsetzungen, die alle etwas hinter ihren Erwartungen zurück blieben waren an der Tagesordnung: Fifa 2003, NHL 2003, NFL 2003, NBA 2003. Ein wahres Dessaster lieferte uns Ascaraon mit ihrem neusten Sproß der Anstoss-Serie. Schwerwiegendste Bugs machten das Spiel, auch nach zwei Patchs, immer noch fast unspielbar, was ihm einen "Ehren"-Award eingebracht hat.

 Eishockey, Basketball, Football und Fussball: NHL 2003, NBA 2003, NFL 2003 und Fifa 2003.   Eishockey, Basketball, Football und Fussball: NHL 2003, NBA 2003, NFL 2003 und Fifa 2003.


verbugtestes Spiel 2002: Anstoss 4

bestes Sportspiel 2002: Fifa 2003
Stefan Lehmler
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